Leserbrief

Pandemie

Liegt die Verantwortung nicht beim Kreis?

„Wenn die CORONA-APP warnt“, BA vom Samstag, 24. Oktober

Welch brillante Schilderung der unhaltbaren Zustände beim Management der Corona-Infektionswelle in unserem Landkreis. Der Quelle dieses aufschlussreichen Berichtes, Joachim Steinbeiss, sei tausendfach gedankt. Nicht nur fürs Schildern seiner Eindrücke und Erlebnisse, sondern auch für seine überaus hilfreichen Tipps zur Verbesserung der Situation und der Abläufe bei den Tests.

Die Stellungnahme der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen in Person ihres stellvertretenden Pressesprechers dagegen zeugt von einer einmaligen, beispiellosen Beratungsresistenz. Die Länge der Warteschlange hält er für vertretbar – sollen die potenziell Kranken doch ruhig Stunden in der Schlange stehen. Deren Alter? Spielt wohl keine Rolle. Das Personal reicht aus? Ein einziger Arzt müht sich am „Kopf“ der Warteschlange, die Fallzahlen zu bewältigen, und schafft kaum mehr als zwölf Personen pro Stunde – als ich mich testen lassen wollte und am 12. Oktober am Vormittag mich in die Warteschlange einreihte, waren wir circa 50 bis 60 Wartende; die zweite Hälfte dieser Schlange ohne Chance auf einen Test noch an diesem Tag. Ich zog es vor, am Folgetag einen zweiten Versuch zu unternehmen.

In diesem Zusammenhang stellt sich mir allerdings die Frage: Wer hat letztlich wirklich die Verantwortung für diese Missstände, über die ja schon seit Monaten immer wieder einmal berichtet wird? Ist es wirklich „nur“ die Kassenärztliche Vereinigung? Ist es nicht so, dass der Landkreis verantwortlich für geeignete Maßnahmen für den Gesundheitsschutz der Bevölkerung ist? Halten der Landrat und die Gesundheitsdezernentin die getroffenen Maßnahmen für geeignet und ausreichend?

Die gröbsten Missstände sind nach meiner Einschätzung:

1. Hitze in der prallen Sonne im Sommer, Kälte und Nässe jetzt in der begonnenen kalten Jahreszeit in der Warteschlange,

2. Unerträglich lange Warteschlange bei nur einer testenden Fachkraft,

3. Infektionsgefahr bei der fahrlässigen Durchmischung von Gesunden und potenziell Infizierten in der Warteschlange.

Diese Missstände bestehen bereits seit längerem, sind also nicht neu und plötzlich „über uns gekommen“.

Vor Monaten wurde darüber diskutiert, ob die Tests zum Beispiel für Reiserückkehrer aus Risikogebieten nicht kostenpflichtig sein sollten. – Nein, wurde argumentiert, wir wollen doch nicht durch eine finanzielle Hürde die Testbereitschaft der Menschen gefährden.

Die aktuellen Bedingungen sind sehr geeignet, den Testwilligen von seinem verantwortungsvollen Vorhaben abzubringen. Herr Landrat, Frau Gesundheitsdezernentin, werden Sie Ihrer Verantwortung gerecht ... und nehmen Sie Ihren Hut. Diese Aufgaben muss jemand übernehmen, der wirklich fähig ist.

Wolfgang Siebrecht

Bensheim

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