Leserbrief

Kimmel-Bande

Macht es Sinn, an Untaten von vor 60 Jahren zu erinnern?

Zum Bericht "Gangster-Karriere endete mit einem Mord in Bensheim" im BA vom 24. Oktober

Der Bericht über den "Al Capone von der Pfalz" und seine Kimmel-Bande zeigt, wie der Fokus wieder mal auf die Täter gerichtet wird - und die Opfer nur am Rande erwähnt werden. Ausführlich berichtet der Autor von den zahlreichen Untaten, die mit einem "Startschuss" am 24. Oktober 1957 begannen. Daher also der 60. Jahrestag. Und um die Bedeutung seiner 60. Wiederkehr zu unterstreichen, wurde ein großformatiges Foto der Einbruchswerkzeuge und eines des Skulpturen schnitzenden Bernhard Kimmel dazu montiert - vermutlich auch, um den Unterhaltungswert zu steigern.

Kimmels Gangster-Karriere endete 1981 in Bensheim, als er beim Versuch, in eine Sparkassen-Filiale einzubrechen, einen 31-jährigen Polizisten erschoss und einen weiteren 26-jährigen so schwer verletzte, dass er seitdem querschnittsgelähmt ist.

Man fragt sich, was der Sinn eines solchen Berichtes ist und - mehr noch - wie er auf Menschen wirkt, die von den Geschehnissen direkt betroffen und im wahrsten Sinne des Wortes die Leidtragenden sind. Wäre es nicht besser gewesen, auf eine solche 60-Jahre-Erinnerung gänzlich zu verzichten?

Übrigens: Hätte Kimmels Lebensweg eine andere Richtung genommen, wenn er nach seinem ersten Gefängnisaufenthalt in den 1970er Jahren von der Presse und von Filmemachern nicht so hofiert worden wäre?

Hildegard Seitz

Bensheim

Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel