Leserbrief

Bildung

MINT nur in Bensheim?

„Kreis bekommt südhessisches MINT-Zentrum“, BA vom Donnerstag, 21. Januar

Ein zunächst wirklich guter Gedanke, in Bensheim für Schüler des Kreises ein zentrales MINT-Labor zu schaffen. Man weiß auch schon, was das Projekt voraussichtlich an Investitionen kosten wird: zwei Millionen. Viele sollen mitwirken und gestalten, schön so.

Warum hat der Herr Landrat eigentlich bei der Vorstellung dieses Projekts nicht erwähnt, dass es in Bensheim bereits eine MINT-Schul-Garage gibt, in der junge Forscher so exzellent sind, dass sie in Kanada Robotik-Weltmeister wurden?

Seit dem Jahr 2004 gibt es, ebenfalls in Bensheim, ein Zentrum für Chemie, noch länger ein Zentrum für Mathematik, beides Einrichtungen, die – mit Unterstützung – ehrenamtlich von Lehrkräften erfolgreich für Schüler schulübergreifend Fortbildung und Wettbewerbe durchführen. Daran könnte man anknüpfen. Man muss halt nur wissen, dass es so etwas in Bensheim bereits gibt und Vergleichbares anderswo auch.

Wenn eine solch schöne Idee nicht einfach so aufsteigen soll wie ein bunter Luftballon in den Himmel, um vielleicht nach der Landratswahl zu platzen, bedarf es, wie’s in Norddeutschland heißt, „Butter bei die Fische“. Das wäre hier ein pädagogisches Konzept, Aussagen über die laufenden Kosten und vor allem auch Vorschläge, wie denn Schüler aus dem großen Landkreis „heran gekarrt“ werden sollen. Das alles fehlt weitgehend, dafür aber ein Raumkonzept, sogar mit einer Küche.

Ressourcen werden verschleudert

Man bedenke: Vormittags – niemand im Zentrallabor, weil Unterricht in den Schulen. Nachmittags gegen 14 Uhr: Busladungen aus dem Kreisgebiet rollen an. Doch die Küche bleibt kalt! Sofort wird forscht! Bus vor der Tür bringt nach zwei bis drei Stunden die Schüler in den Heimatort zurück. Weiter: Reisen ganze Klassen an? Oder nur eine kleine Zahl von Jung-Forschern, von den Müttern chauffiert? Mit Lust möge man sich das Szenario ausmalen, um dann leider festzustellen, hier werden offenbar finanzielle Ressourcen verschleudert, wird wertvolle Zeit verplempert.

Des Schweißes der Edlen wäre doch ein Nachdenken wert, ob nicht etwa zehn dezentrale Schul-MINT-Garagen eingerichtet werden sollten, um die sich Schulen und Schulverbünde an verschiedenen Standorten bewerben könnten, hier mit Schwerpunkt Chemie, dort mit Robotik, anderswo mit Physik und Informatik, was auch immer. Statt angedachter zwei Millionen für einen zentralen Standort (Ob das wohl reichen wird?! Und: Dürfen wir uns auf eine Hochglanzbroschüre freuen?), könnte jeder dezentrale Standort eine Grundausstattung von 50 000 Euro oder mehr erhalten und eine Garantie für finanzielle Förderung für mehrere Jahre. Danach wird evaluiert, die Vereinbarung verlängert oder auch nicht.

Der Kultusminister könnte sich bei „seinen“ Europaschulen einmal kundig machen, wie viel innovative Kraft bei diesen geförderten und evaluierten Schulen entfaltet wird – der Landrat übrigens auch, denn es gibt im Kreis vier Europaschulen.

Fragen über Fragen. Wer gibt kluge Antworten?

Heinz-Jürgen Schocke

Bensheim

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