Leserbrief

Stadtentwicklung

Mit eigenen Ideen die Verantwortlichen beflügeln

Der Bensheimer Marktplatz, das Herz unserer Stadtmitte mit unbewohnten Fachwerkhäusern, ohne ansprechende Geschäfte, langweilt immens. Einen Haufen Bauschutt, mit einem Bauzaun abgeriegelt, hätte ein Zwingenberger Bürgermeister wohl kaum in einer solchen Lage geduldet. Anstatt sich nun über die große freie Fläche zu freuen, die ungeahnte Gestaltungsvarianten für einen neu belebten Stadtmittelpunkt schuf, wurden unterhalb der Trümmerfläche wenige Bänke hingestellt. Für ein gemütliches Schwätzchen – auf Distanz natürlich – bei einer Tasse Kaffee gibt es keinen Tisch. Notgedrungen schüttelt der Besucher den Kopf und geht weiter.

Positives und Sehenswertes

Wir dürfen aber nicht nur jammern und resignieren. Es gibt ja auch viel Sehenswertes und Positives in Bensheim, das unsere Stadt einmalig und liebenswert macht. Wir haben sehr nette Gasthäuser, oft etwas versteckt, mit erlesener Gastronomie, mit tüchtigen Wirten. Jeder kennt die Landschaft mit Melibokus, Auerbacher Schloss, Kirchberghäuschen, Kloster Lorsch, Fürstenlager. Wir haben die exzellente und interessante Jugendstil-Architektur eines Mollers, Baggersee mit Sandstrand, das Basinusbad und viele gute Sportstätten. Wir schätzen unsere Weinberge und unsere Lage zwischen Frankfurt, Mannheim und Darmstadt.

Der Abriss des Hauses am Markt und der in Angriff genommene Neubau störte enorm das Verständnis der Bürger und strapazierte ihr Verhältnis zu den von ihnen gewählten Vertretern. Alle wurden aus ihrer Lethargie gerissen, engagierten sich intensiv für die Entwicklung in der Stadt. Die Bürger brachten bei vielen Entscheidungen der Stadtväter ihren Unmut zum Ausdruck. Eine Bürgerinitiative bildete sich.

Alle sollten nun gemeinsam an dem einem Ziel arbeiten, um den Fortschritt nicht erst nach den Wahlen unseres Bürgermeisters und der neuen Stadtverordneten unter völlig veränderten Bedingungen in Angriff zu nehmen.

Wie Phönix aus der Asche

Millionen in den Bau eines einzigen Gebäudes zu investieren, erscheint vielen Bürgern als kein vielversprechender Lösungsweg für eine fundamentale Änderung der Bensheimer Gesamtsituation zu sein. Aus der Zerstörung eines akzeptierten, gar nicht baufälligen Hauses am Markt stieg die Kirche Sankt Georg plötzlich wie Phönix aus der Asche auf. Der Blick auf den sehenswerten, nach dem Krieg entstandenen Kirchenbau eröffnete den Einstieg in neue, nie erahnte Möglichkeiten der Gestaltung des Innenstadt-Ensembles.

Jetzt haben wir Raum für einen neuen Marktplatz mit freiem und nicht verbautem Blick auf die Kirche mit ihrer Rosette und den Eingangsportalen. Die tollen bei den Bürgerversammlungen eingebrachten Vorschläge und Ideen harren auf direkte Umsetzung. Man kann auf teure, bürokratisch langwierige Prozesse und Wettbewerbe verzichten, die bequem Verantwortung abnehmen sollen. In unserer Nachbarstadt Zwingenberg wurde die gesamte Altstadt abgeriegelt, um die B3 zu erneuern. Tüchtige Menschen arbeiten zusammen und meistern die Neugestaltung ihres Lebensraumes. Schaut nur auf den Kinderspielplatz inmitten des Parks mit den unterschiedlichsten Gerätschaften. Es ist nicht nur für die Kleinen eine Wonne, sich dort aufzuhalten, sondern auch für Begleiter und Besucher.

Eine Anregung für den Bensheimer Markt? Steigen wir doch umgehend ein und beflügeln mit den eingebrachten Ideen unsere Verantwortlichen! Schaffen wir gemeinsam mit ihnen die notwendigen Aufgaben für uns, unsere Enkel und Gäste. Eine Belebung unserer Stadt beginnt mit Kleinigkeiten! Gehen wir mit der Zeit, verzichten wir auf veraltete verkrustete Strukturen und Vorstellungen. Packen wir, ohne weitere Zeit zu verlieren, selbst mit an!

Claus Dennhardt

Bensheim

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