Leserbrief

Kommunalpolitik

Opposition in Bensheim – eine Wunschvorstellung

Seit mehr als 40 Jahren kann man als Bensheimer Bürger mit politischem Sachverstand feststellen, dass es keine Partei geschafft hat, eine der Demokratie angemessene Opposition in Bensheim zu bilden.

Die SPD hatte es in Ermangelung von politischem Gespür schon vor 40 Jahren nicht verstanden, welche Rolle sie in einer „schwarzen Stadt“ zu übernehmen hätte. Wie im Land und im Bund steht sich die SPD vor lauter Streben nach sozialdemokratischem Paradies selbst im Weg.

Frei nach dem Motto: Wir springen nur nach der Wurst, die am höchsten hängt! Dabei werden Realos gnadenlos geopfert. Nicht wenige politischen Akteure auf kommunaler Ebene sehen die Arbeit in Städten und Gemeinden nur als Sprungbrett auf die nächste Ebene.

Wie im Bund und im Land, so auch auf kommunaler Ebene, sind das Besetzen von Positionen offensichtlich wichtiger als ordentlich Oppositionsarbeit zu machen. Damit meine ich eine echte Oppositionsarbeit und nicht ein Kungeln aus der Opposition heraus mit den „Mächtigen“. Was erleben wir zurzeit in Bensheim? Die Parteispitzen der etablierten Parteien (CDU und Grüne) haben nach der letzten Kommunalwahl sich den Geist der strategischen Kriegsführung aus dem alten China zu eigen gemacht. Ein nicht exakt definierbarer Kriegsstratege hat den Satz geprägt: Wenn du einen Feind nicht besiegen kannst, dann mache ihn zum Verbündeten. Schlecht für den, der dadurch in die Defensive gerät.

Was bedeutet das für Bensheim und die Bürger? Ganz einfach, der Aufbau einer echten Opposition, welcher von einem nicht zu vernachlässigten Teil der Bensheimer Bürger erhofft und gewünscht wurde, hat sich in Luft aufgelöst. Schlimmer noch, es bleibt das Gefühl der Ohnmacht.

Franz Apfel ist angetreten, ein Sprachrohr für Bensheimer Bürger zu sein, die mit kritischen Blicken das politische Geschäft in dieser Stadt beobachten. Die jetzt sichtbar werdende Authentizität passt längst nicht mehr zu den Personen, wie sie auf den Wahlveranstaltungen aufgetreten sind. Mittlerweile kann man durchaus schon den Namen dieser politischen Vereinigung als irreführend bezeichnen. Den Namen Bürger für Bensheim vor sich herzutragen, dient nicht der Profilierung einzelner Personen, sondern wäre eine verbindliche Verpflichtung.

Karl Kraft

Bensheim

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