Leserbrief

Wolf

Positive Rolle bei der Regulierung der Wildbestände

„Erhalt der Kulturlandschaft als Schutz vor dem Wolf“, BA vom 1. August:

In dem Beitrag spricht sich Herr Hannewald gegen die Rückkehr einer Wolfspopulation in den Odenwald aus. Herr Hannewald äußert sich als Vertreter der Jägerschaft und ich kann eine solche Haltung, gerade vonseiten der Jägerschaft, nicht verstehen.

Die Jägerschaft wirbt für ihre Anliegen an vielen Stellen besonders mit dem Argument, dass man doch vor allen Dingen Naturschützer sei. Aber was ist das denn für ein Naturschutz der den Tieren, die viele hunderttausend Jahre hier gelebt haben – wahrscheinlich viel länger als die Menschen –, ein Daseinsrecht verweigern will.

Ich kann nur hoffen, dass die meisten Jäger anders denken, zumal ja erwiesen ist, dass Wölfe eine sehr positive Rolle bei der Regulierung und Gesunderhaltung der Wildbestände in unseren Landschaften spielen. Analoges gilt natürlich auch für den Luchs.

Das Verschwinden der Wölfe aus unseren Landschaften vor zirka 160 Jahren ist sicher nicht nur eine Folge der rücksichtslosen Bejagung gewesen, sondern war auch bedingt durch die Umformung der Landschaft in Feld und Wald durch die Menschen. Wenn diese Veränderungen jetzt teilweise wieder rückgängig gemacht werden durch den Umbau der Wälder in einen naturnahen Zustand und die Verbuschung einiger Feldflächen, und dies die Wiederansiedlung der Wölfe begünstigt, dann ist das sehr zu begrüßen. Ich denke, es ist vorteilhaft wenn sich Feldflächen, deren Bewirtschaftung absolut unrentabel ist, wieder in Richtung Wald entwickeln. Die Verbuschung ist ein erster Schritt in diese Richtung.

Ich möchte auch eine Bemerkung machen zu dem möglichen Verlust von Nutztieren (der Menschen) durch Wolfsrisse: In unseren Landen haben Menschen und Wölfe seit vielen tausend Jahren in Nachbarschaft miteinander gelebt, und die Nutztierhaltung war nie ein Problem. Die Bauern habe ihre Tiere entsprechend geschützt, und das ist auch jetzt erforderlich.

Auch in unserer Zeit leben dort, wo es viele Wölfe gibt – zum Beispiel in den Karpaten – viel mehr Schaf- und Ziegenherden als bei uns im Odenwald. Das geht also. Zumal unser Staat die Schutzmaßnahmen finanziell fördert und für Verluste an Nutztieren einen Schadenersatz zahlt.

Dieter Thelen

Modautal

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