Leserbrief

Verkehr

Radfahrer leben gefährlich im Straßenverkehr

"Zweirad-Rüpel unerwünscht", BA vom Donnerstag, 12. April

Zugegeben, natürlich erlebe auch ich täglich Radfahrer, die das Ampelrot missachten und manchmal rücksichtslos durch Fußgängerzonen brettern. Dennoch hat mich das Wort des Bundesministers für Verkehr aufgeschreckt. Herr Ramsauer glaubte, für diese Zeitgenossen den Begriff "Kampfradler" prägen zu müssen. Es ist halt mal wieder Wahlkampfzeit und da ist das Eindreschen auf eine kleine Gruppe - eben die ach so bösen Radler - purem Populismus geschuldet. Schließlich sind Autofahrer noch immer in der Mehrheit und bringen eben auch mehr Wählerstimmen.

Der Alltag sieht ganz anders aus

Gerne würde ich den Herrn Minister für einen Tag in das anscheinend so beschauliche Bensheim einladen. Er könnte dann einen durchschnittlichen Radfahrer auf seinem täglichen Arbeitsweg von Lorsch in die größte Stadt des Kreises begleiten. Er könnte dann erleben, dass auf einem ausgewiesenen Hessenfernradweg - dem R9 - immer wieder Autofahrer meinen, dies sei ihre Strecke, und Radfahrer seien die eigentlichen Störenfriede. Kampfradfahrer? Der Minister könnte dann erleben, dass schwere Lkw auf ihrem Weg zum Kieswerk Rohr wenig Rücksicht auf (vorfahrtberechtigte) Radler nehmen. Dass bis heute tödliche Unfälle ausgeblieben sind, grenzt schon an ein Wunder. Die Frage sei erlaubt, warum auf der Zufahrt zum Kieswerk und zum Naturschutzzentrum (!) keine Geschwindigkeitsbeschränkung gilt?

Kampfradfahrer? Im Stadtgebiet von Bensheim angekommen, lassen sich tagtäglich weitere interessante Beobachtungen machen. Auf dem Weg zur Arbeitsstelle muss der Radweg am Berliner Ring benutzt werden - so er denn überhaupt befahrbar ist. Denn es ist ja wohlfeil, diesen Verkehrsweg als Parkplatz zu missbrauchen. Angesprochen auf ihr Fehlverhalten, zeigen die wenigsten Autofahrer Einsicht, selbst wenn sie ihr Fahrzeug direkt unter dem blauen Radwegzeichen abstellen - zu beobachten an manchen Tagen vor dem neuen Kinozentrum.

Man erlebt sein blaues Wunder

Kampfradfahrer? Schließlich sei noch exemplarisch auf die Situation an der Kreuzung Wormser Straße und Berliner Ring verwiesen. Der Radler, inzwischen auf dem Heimweg, steht (!) aus Richtung Norden kommend bei Rot an der Ampel auf dem Berliner Ring. Nach der Umschaltung auf Grün fährt er vorschriftsmäßig in die Kreuzung ein und erlebt sein blaues Wunder. Aus der Gegenrichtung kommend, kreuzen immer wieder abbiegende Nachzügler seinen Weg - ein Szenario, das der Radler seit nunmehr 20 Jahren mindestens einmal wöchentlich erlebt. Die Installation einer Überwachungskamera könnte reichlichen Zufluss in die doch stets klamme Stadtkasse bringen.

Oder die Kreuzung Berliner Ring und Robert-Bosch-Straße: Auch hier erzwingen sich sehr häufig abbiegende Pkw die Vorfahrt gegen den eigentlich vorfahrtsberechtigten, geradeaus fahrenden Biker, obwohl dieser aus Erfahrung schon Blickkontakt zum Autofahrer gesucht und gefunden hatte. Kampfradler?

Den politisch durchaus interessierten durchschnittlichen Radfahrer würde doch brennend interessieren, welcher Begriff Herrn Ramsauer für diese Autofahrer einfällt.

Vielleicht könnte der Minister aber auch seine Planungsabteilung anwerfen. Aufgabe: Den Radverkehr fördern. Denn - nicht wahr - die Bundesregierung träumt ja immer noch davon, ihre Klimaziele erreichen zu können. Auch Herrn Ramsauer ist vielleicht bekannt, dass Fahrräder weniger klimaschädliche Gase emittieren als Pkw - wenigstens habe ich noch keinen Drahtesel mit einer gelben oder roten Plakette gesehen . . .

Ulrich Villringer

Lorsch

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