Leserbrief

Organspende

Respekt vor dem Leben – aber auch vor dem Sterben?

Der Gesundheitsminister will die gesetzliche Regelung zur Organspende in Deutschland revolutionieren. Wer sich nicht ausdrücklich gegen eine Organspende entscheidet, für den ist entschieden: Er wird, wenn nach einem Unfall der Hirntod festgestellt wird, Organspender.

Bevor Organe gespendet werden können, müssen zwei unabhängige Ärzte den „Hirntod“ feststellen. Diesen Begriff gibt es seit 1968, um die technisch machbare Organverpflanzung möglich zu machen. Damit ist der „Hirntod“ eine eher juristische Festlegung – vergleichbar mit der Fristenregelung beim Schwangerschaftsabbruch – und regelt, unter welchen Bedingungen ein medizinischer Eingriff straffrei ist.

Wir wissen viel zu wenig darüber, wann das Leben anfängt und endet. Organspenden werden eben nicht post mortem entnommen. Transplantable Organe müssen lebensfrisch sein, also einem lebendigen Menschen entnommen werden, einem Menschen, der beatmet wird, dessen Herz schlägt, der auf Berührungen reagiert. Beim Einschnitt des Chirurgen steigt oft der Blutdruck rasant an. Und es gibt gute Gründe, warum bei Organentnahmen Opiate oder eine Vollnarkose gegeben werden. Wer einmal in das Gesicht eines verstorbenen Organspenders geschaut hat, wird erkannt haben, das war kein friedliches Sterben.

Jeglicher Respekt geht verloren

Wir sind dabei, jeglichen Respekt vor dem Leben und dem Sterben zu verlieren.

Wie viele Bundesbürger haben eine Patientenverfügung, die verhindern soll, dass sie am Ende ihres Lebens lebensverlängernden Maßnahmen ausgeliefert sind. Aber die müssen ergriffen werden, wenn ein Mensch Organe spenden soll.

Ich widerspreche dem im BA zitierten Vorsitzenden des Deutschen Ethikrates Peter Dabrock entschieden: Es gibt keine „Organabgabepflicht“. Leben auf der Erde ist ein Geschenk und an den Körper gebunden. Er ist mein mir geschenktes Eigentum. Keine Instanz, weder eine politische, juristische, religiöse oder medizinische darf mich „in die Pflicht nehmen“ und darüber entscheiden, was mit mir passiert, wenn mein Gehirn nicht mehr messbar aktiv ist.

Für mich steht auch fest, wenn ich mich gegen eine Spende ausspreche, verliere ich damit das Recht auf eine Spende. Ich möchte, wenn es soweit ist, in Ruhe und in meinem Tempo aus dem Leben gehen dürfen und nicht auf dem Operationstisch, während mir nach und nach meine Organe entnommen werden.

Bernhild Schneider

Bensheim

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