Leserbrief

Gewerbegebiet

Riedwiese wird aus Gewinnsucht ökologisch geopfert

„Blechschmitt zieht an die Riedwiese“, BA vom 22. September

Es ist interessant, wie derzeit in Bensheim gedankenlos mit unserer Natur und der Gesundheit der Bürger umgegangen wird. Erst hat man fast ein Jahr lang teilweise den Bauschutt auf dem Marktplatz liegenlassen und damit zum Anstieg der Feinstaubbelastung in der Stadt beigetragen, jetzt wird die Riedwiese doch noch schnell zubetoniert.

Betrachtet man mal die Lage der Riedwiese, so stellt man fest, dass diese noch der einzige Frischluftkorridor in Richtung Innenstadt und der stark befahrenen Wormser Straße ist. Dieses Problem wird man aber erst in einigen Jahren feststellen, so wie heute in Darmstadt, dort hatte man vor Jahren auch die Frischluftschneisen zugebaut.

Erst wenn die Stickoxide und die Feinstaubbelastung in einigen Jahren in der Innenstadt ansteigen, wird man den tatsächlichen Grund der Versiegelung der Riedwiese zuordnen können. Dann ist es aber zu spät und kein verantwortlicher Politiker oder Beamter ist mehr da.

Dieser ist aber nur einer von vielen Gründen, die gegen dieses Projekt der MEGB und der Stadt sprechen. Aufgrund der Brutzeit dürfen Hunde nur an der Leine geführt werden und dies, obwohl viele Hunderasse überhaupt keinen Jagdtrieb haben. Weiterhin habe ich noch nie am Feldwegrand brütende Vogelarten gesehen. Bei der Versiegelung der Riedwiese wird jedoch ein riesiges Gebiet zerstört, an dem heute noch Tiere ungestört brüten und ihre Jungen aufziehen können.

Ein Lkw verursacht so große Straßenschäden wie 14 000 Fahrzeuge des Typs VW Golf. Dies ist aber ein untergeordnetes Thema, denn die Straßenreparaturen bezahlt ohnehin die Stadt und somit der Steuerzahler.

Interessant wird aber das Thema, wenn man den Arbeitsbeginn und das Arbeitsende der Lkw-Spedition betrachtet. Es ist zu erwarten, dass mehrere Lkw zeitgleich ankommen oder wegfahren. Die Lkw, die auf die Autobahn auffahren wollen, müssen in der Regel an der Kreuzung warten bis die Ampel auf Grün schaltet.

Kommt nun ein Rettungswagen mit Sondersignal, müssen diese wartenden Lkw dem Rettungswagen Platz machen. Dies wird in diesem Bereich sehr schwer, da die Lkw in die zweispurige Bundesstraße einfahren müssen, um den Rettungswagen Platz zu machen. Dies ist aber nicht zu erwarten, da die Lkw dann auf der Fahrspur der B 47 stehen und dadurch für diese die Unfallgefahr auf der B 47 erheblich ansteigt.

Bereits heute kann man bei hoher Verkehrsbelastung in diesem Bereich beobachten, dass den mit Sondersignal ausrückenden Rettungswagen in diesem Bereich nicht zügig und rechtzeitig Platz gemacht wird, damit diese ihre Einsatzfahrt sicher und schnell fortsetzen können.

Dort wird langfristig ein Problem entstehen, das bereits vor dem ersten Spatenstich für jeden Bürger nachvollziehbar und erkennbar ist. Aber dazu wird man wieder hören, das Problem lösen wir dann, wenn es wirklich vorhanden ist.

Auch die Gesamtbreite der Straße ist für so einen großen Lkw-Verkehr langfristig nicht geeignet. Man kann beobachten, dass zeitweise weitere Rettungswagen vor der Wache für kurzfristige Einsatzfahrten vorgehalten werden. In diesem Fall wird die Straße zu eng, dass der Gegenverkehr rollen kann und gleichzeitig die Lkw an den bereitgestellten Rettungswagen vorbeifahren können. Es kommt zum Stau und somit unnötiger Abgasbelastung.

Die Vergrößerung der Karl-Kübel-Schule führt zu einer weiteren Verringerung der Parkplätze. Wo sollen die Schüler, die zum Teil von weit her kommen zukünftig parken?

Die Riedwiese ist ein Naherholungsgebiet, das aus Gewinnsucht ökologisch geopfert wird. Selbst wenn man dort ein „grünes“ Parkhaus gebaut hätte, wären viele Möglichkeiten geblieben, dies so bauen, dass ein Großteil der Fläche nicht versiegelt wird und der Lebensraum für die Tiere dort nicht zerstört wird.

Wenn ein Landschaftsarchitekt gute Ideen hat, dann können perfekte ökologisch wertvolle Projekte entstehen. Für eine Lkw-Spedition, die ohnehin nur den Hof asphaltieren und Hallen bauen wird, könnte auch eine Fläche in einem echten Industriegebiet fernab von Schulen und Wohngebieten ausgewählt werden.

Eine Lkw-Spedition gehört in ein richtiges Industriegebiet. Man hätte versuchen können, das alte Möbelhaus neben Suzuki zu erwerben und abzureißen, damit dort die Lkw abgestellt werden können.

Man sollte die Bürger vor Neubauprojekten anhören, ihnen zuhören und dann Entscheidungsprozesse treffen, die auch mit den Interessen der dort lebenden Bürger, Unternehmen und der Umwelt in Einklang zu bringen sind.

Jürgen Wolf

Bensheim

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