Leserbrief

Umwelt

Schattige Verbindungswege in unseren Feldfluren

Angesichts deutlich zunehmender Hitzeperioden möchte ich mit diesem Beitrag die teilweise Ausweitung von Maßnahmen zur innerstädtischen Klimaverbesserung auf die angrenzenden Feldflure anregen. Hierbei denke ich vor allem an die natürliche Kühlung durch schattenspendende Baumreihen entlang ausgewählter Feldwege.

Alle meine Bemühungen zur Verwirklichung eines geeigneten Pilotprojekts waren bislang leider erfolglos. Insbesondere die Landwirtschaft verschließt sich einer konstruktiven Diskussion über bestehende Umsetzungshürden. Die Befürchtung vor nachteiligen Auswirkungen auf die Bewirtschaftung ihrer Flächen reflektiert deutlich die Sorge vor weiteren Verdienstausfällen.

Aber auch die ausweichende Reaktion in den angesprochenen Stadtverwaltungen verdeutlicht das schwindende Vermögen in unserer Gesellschaft, sich neben dem drängenden Tagesgeschäft mit längerfristigen Entscheidungen zu unserer Zukunft zu befassen.

Allen und Blühstreifen schaffen

Man stelle sich vor: Einer überparteilichen Bürgerbewegung gelingt es mit tatkräftiger Unterstützung von Sponsoren, Vereinen und Schulen, die jährliche Anpflanzung von 500 Alleebäumen entlang beliebter Rad- und Wanderweg zu initiieren und bis zum Lückenschluss mit den benachbarten Ortschaften zu verstetigen. Der Freiraum zwischen den anfangs noch kleinen Bäumen wäre mit dauerhaften Blühstreifen zu vervollständigen.

Die erforderliche Pflege dieser Randstreifen könnte sinnvollerweise bei den jeweiligen Eigentümern oder Pächtern verbleiben. Der notwendige Aufwand und die nachweislichen Einkommensverluste aus der Nutzungsänderung solcher Bereiche wären den Betroffenen in angemessener Weise zu vergüten.

Lebensbedingungen verbessern

Die dauerhafte Verbesserung unserer zukünftigen Lebensbedingungen könnte in Ergänzung zu freiwilligem Engagement vorzugsweise mit staatlichen Fördermaßnahmen und über den anzurechnenden Ausgleich bei notwendigen Eingriffen in die Umwelt an anderer Stelle finanziert werden.

Vor einer abschließenden Beurteilung dieser Vision sind folgende Aspekte nicht zu vergessen:

Der Klimawandel hat zweifelsfrei begonnen und eine weitere Erwärmung unserer Region ist nicht mehr aufzuhalten. Mit der Verschattung und Verdunstung durch Blattwerk ist schon seit langem eine deutliche Abkühlung unter Bäumen bekannt. Napoleon hat beispielsweise in ganz Europa die Anlage von teilweise noch heute existierenden Alleen zur Erleichterung seiner Truppenbewegungen angeordnet. Allerdings benötigt die Entstehung einer ausreichenden Schattenbildung je nach Baumart mehr als 25 Jahre. Erst nach einer solchen Zeitspanne werden sich unsere Nachfahren bei ihren Aktivitäten in der freien Natur dankbar an diese Initiative zur Klimaverbesserung erinnern.

Ökologische Vorteile

Unabhängig davon wirken sich aber die ökologischen Vorteile einer natürlichen Vernetzung unterschiedlicher Biotope sofort aus, und gleichzeitig gelingt damit eine optische Aufwertung der größtenteils monotonen Ackerflächen in unserer Region.

Schließlich würde der gemeinsame Ausbau von „lebenden“ Verbindungen zwischen einzelnen Ortschaften unter Beteiligung von Bürgern, Vereinen, Firmen und Schulen das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Bevölkerung nachhaltig steigern.

Johannes Truschel

Bensheim

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