Leserbrief

Energie

Schutz von Mensch und Natur statt Ideologie

„Odenwälder Beton-Wendehälse und die Windkraft“, BA-Leserforum vom Samstag, 14. Juli

Der Leserbrief von BUND-Funktionär Herwig Winter zeigt ein weiteres Mal in eindrucksvoller Weise, wie sehr ideologisches Denken den Blick auf die Realität verstellt.

Die Höhen unseres schönen Odenwaldes sind alle bewaldet. Wenn, wie in Wald-Michelbach durch die Entega veranlasst, mehrere hundert gesunde bis zu 80 Jahre alte Bäume für Windkrafträder gefällt werden, die als riesige CO2-Speicher fungierten, so hat das mit Klimaschutz nichts zu tun. Dieses CO2 wird damit wieder freigesetzt und belastet unsere Umwelt.

Neuaufforstungen helfen wenig

Gleichzeitig fehlen die entsprechenden Wald-Kapazitäten, um diese Speicherkraft zu ersetzen. Neuaufforstungen an anderer Stelle führen bei den kleinen Bäumchen während der Förder-Laufzeit eines Windkraftrads von 20 Jahren nur zu circa fünf Prozent des zuvor erfolgten Verlustes.

Wenn man dann noch berücksichtigt, dass die Windhöffigkeit in Süddeutschland dazu führt, dass die hier errichteten Windkraftanlagen nur etwa ein Prozent des Gesamtertrags in Deutschland ausmachen, so kann man zum Klimaschutzargument nur den Kopf schütteln.

Und zum Beton: Um das Fundament eines Windkraftrads herzustellen, müssen circa 100 Beton-Lkw ihre naturzerstörerische Ladung in den gesunden Waldboden kippen. Das ist gleichzeitig der Tod von Millionen Kleinlebewesen. Dass ein anerkannter Biologieprofessor der Universität Heidelberg im Hinblick auf die Vernichtung von Lebensräumen von vielen bedrohten Tierarten den Bau von Windkraftstandanlagen in Wald-Michelbach als eindeutige Verletzung geltenden Naturschutzrechts qualifiziert, auch dass lässt den BUND-Funktionär Winter kalt.

Beton für Bildung

Mir vorzuwerfen, ich sei im Hinblick auf meine Amtszeit als Landrat ein „Beton-Wendehals“ ist in zweierlei Hinsicht falsch:

1. Ich war nachweislich immer - und nicht erst nach Ausscheiden aus meinem Amt - gegen Windkrafträder auf den Höhen des Odenwaldes und habe diese auch sämtlichst während meiner Amtszeit im Landkreis Bergstraße mit verhindern können.

2. Als Landrat habe ich, was „Beton“ oder besser Bauen angeht, mich im Wesentlichen um den Bau, die Sanierung und die Ausstattung der Schulen gekümmert. Insgesamt flossen in dieser Zeit über 400 Millionen Euro in die Verbesserung der Schulinfrastruktur und damit der Bildungssituation der Schulkinder. Davon hat übrigens auch die Martin-Luther-Schule in Rimbach, an der Herr Winter Lehrer war, erheblich profitiert.

Wenn Herr Winter mir dafür den Titel „Beton-Wendehals“ verleihen möchte, dann nehme ich ihn gerne: Diese Investitionen für unsere Kinder waren eindeutig besser als gesunde Waldflächen zu roden und tonnenweise Beton in die Waldböden zu kippen. Und wenn Herr Winter meinen Einsatz für den Bau der B38a im Weschnitztal meinen sollte, so gilt auch hier: Menschen- und Umweltschutz vor Ideologie aus der Mottenkiste.

Matthias Wilkes

Landrat a.D.

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