Leserbrief

Klimawandel

Schwächen im technischen Grundverständnis

„Bußgeld für das Klima-Schulschwänzen“, BA vom Mittwoch, 14. August

Mit Interesse verfolge ich als inzwischen Parteiloser die Diskussion um Klimaschutz und Energieversorgung. Und grundsätzlich begrüße ich den Ansatz „global denken“ bei diesem Themenkomplex.

Allerdings zeigt sich bei den wenigen konkreten Punkten von Till Mansmann dann doch, dass das technische Grundverständnis zu wünschen übrig lässt: Wenn wir uns die Karte der Solarerträge zum Beispiel der Weltbank ansehen, stellen wir fest, dass zwischen Afrika und Mitteleuropa nur der Faktor 1,5 an Mehrertrag liegt – Einfluss des Klimawandels unberücksichtigt ...

Wenn wir weiter überlegen, dass die derzeitigen Umwandlungs-Wirkungsgrade für Wasserstoff und Power-to-X bei 30 bis 50 Prozent liegen, und der Wirkungsgrad eines Verbrennungsmotors bei rund 30 Prozent im tatsächlichen Betriebsschnitt, kommt auf der Verbrennungsschiene bei Power-to-X aus Afrika circa 10 bis 20 Prozent Vortriebswirkungsgrad für den erzeugten Solarstrom an. Bei Brennstoffzellen mit Elektroantrieb kommen die 40 bis 50 Prozent verbliebener Wirkungsgrad aus der Wasserstofferzeugung immerhin fast direkt an. Bei Direktspeisung aus heimischem Regenerativstrom kommt beim Elektroauto rund 90 Prozent der Energie als Vortriebsenergie an.

Geld würde ins Ausland fließen

Selbst unter günstigsten Bedingungen brauchen wir also bei Konversion in chemische Energieträger mehr als das Doppelte an Strom aus Afrika für denselben Vortrieb, bei Verbrennern mehr als das Vierfache. Da ist der ökologische Rucksack der Batterien, wenn einmal ein funktionierendes Recycling aufgebaut ist, auch kein Game Changer mehr.

Wenn wir unterstellen, dass die um Faktor 1,5 erhöhte Solarausbeute in Afrika den Gestehungspreis entsprechend senkt, sind wir mit Umwandlung in Wasserstoff oder Power-to-X immer noch um mindestens ein Drittel teurer als bei heimischem Strom, Transportkosten und Kosten für die Umwandlungsanlagen nicht mitgerechnet. Allerdings fließt das Geld dann ins Ausland, statt in Deutschland zu bleiben.

Energetisch sinnvoller wäre da die altdiskutierte Lösung mit verlustarmen HG-Übertragungsnetzen aus Nordafrika, aber es bliebe der Kapitalexport als volkswirtschaftlicher Nachteil, und derzeit sind fast alle Staaten in Nordafrika nicht als Hort der politischen Stabilität bekannt.

Richtig ist hingegen, dass der Ausbau der Elektromobilität im Gleichschritt mit der Mehr-Verfügbarkeit regenerativen Stroms erfolgen muss, sonst macht Elektromobilität nur wie in China Sinn – als Mittel zur lokalen Schadstoffreduzierung, aber nicht für den Klimaschutz. Global denken ist gut – aber die Betonung sollte auf dem Denken, nicht auf dem „global“ liegen.

Ralf Löffler

Lindenfels

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