Leserbrief

Erneuerbare Energien

Sobald es um Rotoren geht, gelten andere Maßstäbe

Die Regionalversammlung Südhessen hat den Bau weiterer Windräder beschlossen. Und dass sich hier vermehrt Widerstand regt, ist nachvollziehbar. Es gab einmal Zeiten, in denen die Bundesregierung und die Verwaltungen sich um Erhalt von Flora und Fauna bemühten und der Wald als besonders schutzwürdig angesehen wurde. Noch heute muss jede Nutzung von Ackerflächen oder Grünland für Bauzwecke und ähnliches durch Aufforstungen ausgeglichen werden.

Wald wird geopfert

Aber sobald es um Windräder geht, gelten offenbar andere Maßstäbe. Da werden Waldflächen unwiderruflich für einen Wahn geopfert, der unsere Energieprobleme nicht lösen wird. Eine sachliche ideologiefreie Betrachtung zeigt, dass nur mit Windkraft und Photovoltaik unser Energiebedarf nicht gedeckt werden kann.

Und weltweit ist Deutschland das einzige Land, das diesen Sonderweg beschreitet und den bestehenden Energiemix beenden will. Alle anderen Länder bauen Kohlekraftwerke oder Atomkraftwerke am laufenden Band. Weltweit sollen derzeit über 1300 Kohlekraftwerke in Planung und Bau sein. Und da das Klima keine Grenzen kennt, zeigt schon diese Zahl die Hilflosigkeit des deutschen Sonderweges. Aber die Probleme mit den Windrädern bleiben bei uns.

Verschandelung der Landschaft

Die Verschandelung der Landschaft ist ja nur ein Aspekt von vielen. Hinzu kommen vermehrt gesundheitliche Probleme, insbesondere durch Infraschall.

Auch die Rotation der Flügel und der Schattenwurf sind nicht gesundheitsfördernd, im Gegenteil. Aber diese Probleme werden politisch nicht thematisiert.

Und jedes neue Windrad bedeutet ein Fundament von circa 20 bis 30 Metern Durchmesser mit um die 1200 Kubikmeter Beton. Dies ist eine massive Bodenversiegelung. Und in naher Zukunft kommen die Probleme mit der Entsorgung der Rotoren. Diese bestehen aus glasfaserverstärktem Kunststoff mit einer begrenzten Lebensdauer. Schon heute ist dies Sondermüll, der nur sehr schwer zu entsorgen ist.

Zulasten unserer Nachkommen

Einer der größten Widersprüche ist, dass Waldflächen zur Reduzierung des CO2- Gehaltes als wertvoll angesehen werden, aber im gleichen Atemzug pro Windrad tausende Quadratmeter Wald vernichtet werden. Dies hat nichts mit der viel propagierten Nachhaltigkeit zu tun, im Gegenteil. So ein Windrad nützt letztendlich nur dem Betreiber, der immer seine Vergütung bekommt und der Stromkunde zahlt und zahlt und zahlt. Und das alles zulasten unseres Lebensraumes und der unserer Kinder und Enkel.

Die Energiepolitik unserer Bundesregierung ist für mich unverantwortlich und dient nicht dem Wohle unseres Landes. Zuerst die Abschaltung sicherer Atomkraftwerke von heute auf morgen und nun im nächsten Schritt die Vernichtung unserer Kohlekraftwerke. Und das alles ohne Plan, wie dann die Energieversorgung in Deutschland gesichert werden soll. Jedes Windrad und jede Photovoltaikanlage benötigt ein Stützkraftwerk, das in Zeiten ohne Wind und Sonne Strom liefert. Aber unsere Politik setzt sich über die Gesetze der Physik hinweg und hofft auf irgendeine Lösung.

Europäisches Verbundnetz

Weltweit wird Strom durch einen Mix verschiedener Erzeugungsarten produziert und weiter so ausgebaut. Nur Deutschland alleine begibt sich in die Sackgasse, nur auf sogenannte erneuerbare Energien zu setzen. Schon jetzt haben wir den höchsten Strompreis in Europa und in einigen Jahren vielleicht sogar Engpässe in der Eigenversorgung. Aber es gibt ja das europäische Verbundnetz, und wir werden dann unseren Strom von Kohlekraftwerken aus Polen und Atomkraftwerken aus Frankreich bekommen. Ist das die Energiewende?

Rainer Tiede

Biblis

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