Leserbrief

Sparkassenfusion

Sparkassenwesen zukunftsfest machen

Die Nachricht vom plötzlichen Ausscheiden des Vorstandschefs der Sparkasse Bensheim möchte ich weder kommentieren noch auf die Vergangenheit zurückblicken. Wichtig erscheint mir, statt Scherben zusammen zu kehren, jetzt der Blick in die Zukunft.

Im Kreis Bergstraße haben wir drei Sparkassen: Neben der Sparkasse Bensheim die Sparkasse Starkenburg mit Sitz in Heppenheim und die Sparkasse Worms-Alzey-Ried mit Sitz in Worms, die die vier Riedgemeinden Lampertheim, Bürstadt, Groß-Rohrheim und Biblis umfasst.

Der Kreis Bergstraße ist der einzige Landkreis in Hessen ohne eine kreisweite Sparkasse. Unser zersplittertes Sparkassenwesen hat allein historische Gründe. Die aktuellen Sparkassen wurden innerhalb der Grenzen der Gebietskörperschaften der ehemaligen Landkreise, die dem Landkreis Bergstraße vor über 80 Jahren vorausgingen, gegründet.

Diese „alte historische Anzug“ passt jedoch nicht mehr. Er ist viel zu klein geworden. Selbst größere Kreissparkassen haben bereits fusioniert und sogar die 50 Filialen umfassende Taunus-Sparkasse mit der dortigen Volksbank.

Als Landrat habe ich bereits vor über 15 Jahren die Verantwortungsträger an einen Tisch gebracht, um die Thematik einer großen starken Sparkasse für die Zukunft in unserer Region zu besprechen. Diesen Überlegungen im Weg standen stets persönliche Animositäten oder Interessen.

Von der Sache her sehe ich kein wirkliches Argument, was dagegen spricht, sondern nur Argumente, die für ein Zusammengehen sprechen: Die Sparkasse Bensheim hat erstmalig in diesem Jahr an ihre Gemeinden kein Geld zur Unterstützung ihrer Vereine ausschütten können. Ein klares Signal für die klamme Finanzlage. Das dauerhafte Zinstief treibt die Sparkassen wie andere Banken auch zunehmend wirtschaftlich in die Enge.

Statt Verwaltungsneubauten, wie jetzt in Bensheim geplant, würden die bestehenden Verwaltungsgebäude bei einem Zusammengehen völlig ausreichen. Die Zahl der Vorstandsposten die in der Spitze bis zu 300 000 Euro im Jahr kosten, könnten um mindestens die Hälfte reduziert werden. Das Geld ist sinnvoller für eine gute Versorgung des Mittelstandes und der kleinen Sparer angelegt.

Nachdem jetzt entschieden worden ist, die Position des Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Bensheim für ein Jahr nicht zu besetzen, sollte dies dringend Anlass dafür sein, jetzt „Nägel mit Köpfen” zu machen. Wenn nicht jetzt, dann wann?

Es wäre schlecht, ja sogar sträflich, wenn erst dann gehandelt wird, wenn solche Entscheidungen erst mit dem Rücken zur Wand gefällt werden müssten. Die Sparkassen gehören den Gemeinden und damit allen Bürgern. Es geht am Ende um die Frage, wie mit unserem Geld umgegangen wird.

Matthias Wilkes

Landrat a. D.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel