Leserbrief

Im Gehren

Stadtverordnete sollten Beschluss überdenken

Bauschuttanlage in Kolmbach:

Die Lindenfelser Stadtverordnetenversammlung wird sich am 31. Oktober erneut mit der Recyclinganlage zwischen Kolmbach und Gadernheim befassen – und das ist gut so. Offenbar haben sich nämlich seit der vor ein paar Monaten getroffenen Entscheidung, die städtischen Grundstücke Im Gehren an eine Recyclingfirma verkaufen zu wollen, einige neue beziehungsweise geänderte Voraussetzungen ergeben.

Weniger Arbeitsplätze: Es kann nicht – wie ursprünglich dargestellt - von vier zusätzlichen Vollzeitarbeitsplätzen ausgegangen werden, sondern maximal von einem bis zwei – laut Aussage anderer Betreiber derartiger Anlagen. Dabei ist zu bedenken, dass die Brecheranlage an maximal 20 Tagen im Jahr laufen soll. Was machen die Arbeitskräfte in der restlichen Zeit an dieser Anlage?

Keine Einhausung: Die Anlage soll nicht mehr in einer Halle errichtet werden, sondern würde im Freien Lärm und Staub entwickeln.

Versiegelung des Geländes und Abwasserproblem: Das Betriebsgelände ist aufgrund gesetzlicher Vorgaben zu versiegeln, um das Eindringen von Schadstoffen in das Grundwasser zu verhindern. Das gesamte Wasser, das unter anderem zur Verminderung der Staubemissionen benötigt wird, muss gesammelt und geklärt werden. Eine Anbindung an die Lautertaler Abwasserleitungen erscheint angesichts der Haltung der Gemeinde ausgeschlossen. Eine Anbindung an das Lindenfelser Netz ist aufgrund der Topographie äußerst schwierig und teuer.

Lange Transportwege: Es wird dargestellt, dass das Recyclingmaterial hier gebraucht würde und dafür weite Strecken zu fahren wären. Das ist nicht richtig. Gebraucht wird gutes Recyclingmaterial – mit einem Backenbrecher nur bedingt herstellbar – insbesondere als Trag- oder Frostschutzschicht unter Gebäuden, Straßen und Parkplatzflächen – also dort wo viel gebaut wird und nicht im Odenwald. Der Bauschutt fällt dort an, wo Häuser in größerem Umfang abgerissen werden – also auch nicht im Odenwald. Der Bauschutt würde also mit etlichen Lkw von weit her angefahren, um ihn recycelt weit weg wieder einzubauen.

Große Schuttberge: Die Lagerkapazität soll 4190 Tonnen betragen. Dies entspricht einem Volumen von rund 3000 Kubikmetern. Das sind vier bis fünf Einfamilienhäuser. Noch erschreckender: bei der üblichen Lagerung als Schüttkegel mit etwa acht Meter Höhe können auf einer Fläche von 400 Quadratmetern etwa 1000 Kubikmeter gelagert werden. Es wären also drei dieser Schuttberge nötig.

Widersprüchliche Angaben: Die Brecheranlage soll an maximal 20 Tagen laufen. Vom Unternehmer wird angegeben, dass pro Tag (acht Arbeitsstunden) bis zu 400 Tonnen zerkleinert werden können. Damit wären an 20 Tagen maximal 8000 Tonnen zu erzielen. Berichtet wird aber von einer zu bearbeitenden Jahresmenge von 21 100 Tonnen. Woher kommen die fehlenden 13 100 Tonnen? Gäbe es bald einen weiteren Brecher oder würde die Anzahl der Arbeitstage erhöht?

Ich bitte die Stadtverordneten, angesichts der geänderten Voraussetzungen und zum Schutz der Bürger in Kolmbach und Gadernheim, den Verkauf der Grundstücke abzulehnen. Sie allein haben es in der Hand, die an dieser Stelle unzumutbare Anlage zu stoppen. Es ist nicht so, wie von Bürgermeister Michael Helbig gerne dargestellt, dass die Stadt nur begrenzte Möglichkeiten der Einflussnahme hat. Vielmehr hat die Stadt als Grundstückseigentümerin die alleinige Entscheidungsgewalt, ob und an wen sie ihre Grundstücke verkauft.

Dieter Kaffenberger

Gadernheim

Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel