Leserbrief

„Ansichtssache“

Treppe am Ende der Scheuergasse wirkt wie Betonwand

Leserbrief zu „Das Land Hessen ist stolz auf seine erste Cittaslow-Kommune“, BA vom 22. September.

Es war eine gute Idee, den Besuch des Staatsministers Axel Wintermeyer zum Thema „Cittaslow“ vor der Kulisse der Scheuergasse bildhaft in Szene zu setzen. Diese Straße ist zweifellos ein architektonisches Highlight und mit ihr wirbt Zwingenberg zu recht auch überörtlich.

Betrachtet man alte Fotos, so wird einem klar, dass es sich bei der heutigen Scheuergasse nicht um einen Nachbau von einstmals hier stehenden Gebäuden, sondern um eine architektonische Neuschöpfung, das heißt um ein Kunstwerk handelt. Die alten Scheunen taugten eigentlich nur zum Abriss, um Platz für Reihenhäuser im üblichen Stil zu machen. Stattdessen aber ist es Bürgermeister Peter M. Stajkoski und Wolf-Dietrich Riebel vom Geschichtsverein gelungen, eine Attraktion entstehen zu lassen.

Die Wohnhäuser in der Scheuergasse sind allenfalls in der Anmutung oder der Silhouette den alten Scheunen ähnlich. Die hier und in der Altstadt installierten Lampen sind ein preußischer Import („Schinkelleuchten“), fügen sich aber sehr gut ein. Die Attraktivität der Gasse beruht nicht zuletzt auf dem Mix aus Wohnhäusern, Gaststätten, einem gehobenen Handwerksbetrieb, dem Heimatmuseum des Geschichtsvereins und nicht zuletzt einem phantasievoll bemalten Künstlerhaus. Bruchstein und Fachwerk wechseln sich in angenehmer Folge als Gestaltungselemente ab. Die geringe Traufhöhe vermittelt Geborgenheit.

Tschüss oder Auf Wiedersehen?

Eine städtebauliche Herausforderung stellen jedoch Beginn und Ende der Scheuergasse dar. Am östlichen Ende findet sich eine abwechslungsreich gestaltete Treppenanlage mit einem Brunnen. Als Blickpunkt steht dort auch die interessante Max-Teichmann-Figur. Diese Treppe mit dem Westgiebel des „Bunten Löwen“ im Hintergrund lädt zum Aufstieg ein, lässt aber auch eine Umkehr nicht abwegig erscheinen.

Das westliche Ende ist die größere Herausforderung. Als bummelnder Passant würde man erwarten, dass man sanft in die Scheuergasse mit ihren Restaurants zurückgeführt wird. Stattdessen findet sich dort eine Betonwand, die sich beim Näherkommen als Treppe herausstellt. Ist sie eine Aufforderung, Zwingenberg alsbald in Richtung Parkplatz und Bahn zu verlassen? Hier kann noch nachgebessert werden.

Lothar Frank

Zwingenberg

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