Leserbrief

Sparkasse

Überholte Struktur im Kreis Bergstraße

Seit Jahren gibt es einen Stillstand bei den Neubauplänen der Sparkasse Bensheim. Die Kosten des am jetzigen Standort der Hauptstelle zunächst geplanten Erweiterungsbaus sind in eine indiskutable Höhe geschossen, der 2017 in einem Architektenwettbewerb gekürte Entwurf eines Architektenbüros aus Wiesbaden hat sich als nicht umsetzbar erwiesen. Die als Ausweg gedachte Planung einer neuen Hauptstelle gegenüber dem Ärztehaus am Berliner Ring ist innerhalb der Stadt auf heftige Kritik gestoßen, weil dies einen weiteren Schlag gegen die Innenstadt bedeuten würde. Mit Recht hat Bürgermeister Richter als Chef des Aufsichtsrates der Sparkasse deshalb solchen Plänen eine Abfuhr erteilt.

Die finanzielle Lage der Sparkasse Bensheim ist, nicht zuletzt wegen der Zinspolitik der EZB, bestenfalls „durchwachsen“, in den nächsten Jahren soll ein halbes Hundert Vollzeitstellen wegfallen, mit anderen Worten: Die Sparkasse steht vor einem Schrumpfungsprozess. Gleichwohl ist die Fusion der Sparkasse Bensheim mit der Sparkasse Starkenburg in Heppenheim für den Sparkassenvorstand in Bensheim „kein Thema“.

Wieso eigentlich nicht? Wieso ist die schon lange überholte Sparkassenstruktur im Kreis Bergstraße unveränderlich, gleichsam in Beton gegossen?

Nicht zuletzt Digitalisierung und EDV haben die Struktur des Bankenwesens vor völlig neue Anforderungen gestellt. Auch die Mehrzahl der Sparkassen in Hessen und auch andernorts in Deutschland haben die Zeichen der Zeit längst erkannt und sich zu leistungsfähigen Einheiten zusammengeschlossen. Gab es nach der Wiedervereinigung im Jahr 1990 in Deutschland noch 769 selbstständige Sparkassen, waren es infolge von Fusionen im Jahr 2018 nur noch 385 Sparkassen, das heißt: Die Zahl der Sparkassen hat sich in noch nicht einmal 30 Jahren halbiert. Der Trend zum Zusammenschluss von Sparkassen zu leistungsfähiger Größe ist im Übrigen ungebrochen. Die erst 1990/91 durch Zusammenschluss mehrerer Kreissparkassen entstandenen Sparkassen Vogelsbergkreis und Wetterau fusionierten 2006 erneut, nämlich zur Sparkasse Oberhessen. Sie liegt in der Rangliste 2018 der Sparkassen mit einer Bilanzsumme von 4,773 Milliarden Euro an 62. Stelle und damit noch vor der Stadt- und Kreissparkasse Darmstadt.

Selbst die an 118. Stelle der Rangliste liegende Kreissparkasse Groß-Gerau weist die stattliche Bilanzsumme von 3,331 Milliarden Euro auf. Die Sparkasse Worms-Alzey-Ried liegt mit 3,066 Milliarden Euro Bilanzsumme an 132. Stelle der Sparkassenrangliste (sie ist im Jahr 2003 aus der Fusion der Sparkassen Worms und Alzey hervorgegangen).

Die Sparkasse Starkenburg steht mit einer Bilanzsumme von 2,151 Milliarden Euro erst an 188. Stelle, die Sparkasse Bensheim mit einer Bilanzsumme von 1,813 Milliarden Euro gar nur an 230. Stelle der Sparkassen-Rangliste.

Sie gehört damit inzwischen zur Sparkassen- Nachhut. Dass die Sparkasse Bensheim im Jahr 1998 (ebenso wie die Sparkasse Starkenburg in Heppenheim im Jahr 2000) den altmodischen Begriff „Bezirks-“ aus ihrem Namen gestrichen hat, brachte nur ein moderneres Outfit, nicht mehr.

Der jetzt geplante Neubau einer Sparkassenzentrale in Bensheim, ohne Prüfung einer Fusion der beiden Sparkassen Bensheim und Starkenburg, ist eine Zumutung für die Sparkassenkunden und soll aus den Gebühren der Sparer finanziert werden. Im leerstehenden Neumarkt gibt es genügend Platz für eine Bensheimer Hauptstelle, außerdem Parkraum. In Heppenheim steht der moderne Bau einer Sparkassenzentrale für die Bergstraße.

Wäre nicht zu erwarten, dass sich die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Bensheim als der größten Kommune des Sparkassenzweckverbands Bensheim mit der Frage der Fusion der beiden nahe beieinander liegenden Sparkassen befasst und sich um die Überwindung ihrer aus der Zeit gefallenen Struktur bemüht? Übrigens: Die Stadt Lindenfels gehört seit der Gemeindeneugliederung vor einem halben Jahrhundert beiden Sparkassen an, jeweils mit einem Teil ihrer Stadtteile, was für ein Zustand.

Nebenbei: Zur Führung einer fusionierten Sparkasse ist übergangsweise ein aus beiden Sparkassenvorständen zusammengesetzter Sparkassenvorstand und ein ebensolcher Sparkassenaufsichtsrat denkbar, niemand muss um seinen leitenden Posten fürchten.

Dieter Emrich

Bensheim

Info: Leserbrief-Richtlinien online: www.bergstraesser-anzeiger.de/leserbriefe

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