Leserbrief

Impfungen

Unethisch, unmoralisch und Propaganda

„Es besteht eine moralische Impfpflicht“ (BA vom 17.11.2020)

Einfach unfassbar, was Wolfram Henn denkt und sagt als Mitglied des Deutschen Ethikrats (seit 2016)!

Ohne zu differenzieren, verallgemeinert er die Risiko-Abwägung von Impfungen. Als ob Infektionen, die eine ca. 0,2-prozentige Sterberate hervorrufen (bei Covid-19 = aktuelle Einschätzung der WHO auf Basis von über 60 Studien weltweit) gleichzusetzen sind mit Infektionen wie Gelbfieber mit einer Sterberate bis zu 60 Prozent (einfache Google- Suche).

Wie kann Henn fordern, dass Ältere und Kranke zuerst geimpft werden? Weiß er nicht (oder unterschlägt er die Tatsache), dass bei den im Eilverfahren durchgeführten Impfstoff-Tests aktuell explizit NUR kerngesunde Menschen im Alter bis maximal 55 Jahren teilnehmen? Dass keinerlei Erkenntnisse vorliegen (wird laut CEO von CureVac auch noch dauern) über Nebenwirkungen bei älteren Menschen (Stichwort Impfverstärker) und Menschen mit Vorerkrankungen? Dass gerade das Gesundheitswesen in England eine komplett neue KI-Anwendung ausgeschrieben hat, mit der man der erwarteten Flut an Informationen zu Nebenwirkungen Herr werden will?

Nebenwirkungen verharmlost

Wie kann jemand Nebenwirkungen, die zu mehreren Abbrüchen bei Tests (Verweis AstraZeneca) geführt haben, derart verharmlosen? Indem er das komplett neue Verfahren (Sars-Cov-2, mRNA) in einen Topf wirft mit Impfungen, die man gut im Griff hat, erweist er auch diesen einen Bärendienst.

Henn spricht von „emotionalem Unwohlsein“, das Menschen beim Thema Impfung hätten, und dass dieses aber keiner rationalen Überprüfung standhält. Wie kommt jemand im Ethikrat dazu, die Erkenntnisse über Impfschäden so zu ignorieren? Gerade dann, wenn es darum geht, bei einem völlig neuen Verfahren die Zellen des Geimpften zu manipulieren? Gute Argumente gehen anders. Zwang ist angesagt, wenn diese fehlen.

Haarsträubender Verweis

Es wird tatsächlich noch schlimmer: Henn plädiert für eine Impfpflicht für Krankenpfleger und andere Berufsgruppen. Diese begründet er damit, dass sich Pfleger in einer freien Berufswahl für ihre Tätigkeit und der damit verbundenen Verantwortung entschieden hätten. Übernimmt er die moralische Verantwortung dafür, wenn sich Pfleger unter diesen Voraussetzungen gegen eine Impfung entscheiden und lieber aus dem Beruf ausscheiden? Wenn angehende Pfleger bei diesen Aussichten die Ausbildung nicht abschließen? Wenn dann noch mehr Pfleger auf den Intensivstationen fehlen und Patienten darunter leiden?

Dass Henn auch Impfausweise bei Flugreisen mit Verweis auf Gelbfieber als geübte Praxis darstellt, ohne die wenigen exotischen Länder zu nennen, für die das gilt, ist haarsträubend. Ist das die Denke und Haltung des Ethikrats insgesamt? Ich hoffe nicht! Dann sollten sich aber alle restlichen Mitglieder des Ethikrats eindeutig von diesen Gedanken distanzieren.

Kurzum: Ich halte fast den gesamten Inhalt des Interviews für unethisch, unmoralisch und daher für Propaganda.

Bertram Mandel

Bensheim

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