Leserbrief

Marktplatz

Viele tolle Vorschläge wurden bereits gemacht

Was für ein fröhliches Leben und Treiben war das wieder am vergangenen Samstag bei herrlichem Wetter in Bensheim. Überall waren die vielen Stühle und Tische in der unteren Fußgängerzone mit Einheimischen und Gästen voll besetzt. Gaststätten und Geschäfte zogen Kunden an.

Etwas enttäuschender sah es jedoch am Marktplatz aus. Der westliche Bereich in der Hauptstraße war zwar voller Passanten und Käufer an den Marktständen. Viele neugierige Betrachter am Markt standen in Ermangelung von Bänken und Sitzgelegenheiten herum und erfreuten sich kurzweilig am freien Blick auf die 40 Jahre lang verborgene Kirche Sankt Georg. Aber dieser Ort war im Vergleich zu dem anderen Teil unserer Altstadt eigentlich tot.

Kaum Anreiz zum Verweilen

Abgesehen von den Trümmern des abgerissenen Hauses am Markt bestand kaum Anreiz zum Verweilen. Es gibt dort keinen Kinderspielplatz und sehr bedingte Einkehrmöglichkeiten. Allein auf den Flugblättern, die am Fleck’schen Haus von der BfB aus aktuellem Anlass verteilt wurden, fielen mir sofort eine Reihe Schlagwörter ins Auge – von „Dialogprozess“ über „Bürgerbeteiligung“ und „Architektenwettbewerb“ bis zu „Zusammenarbeit“.

Klingt und liest sich ja auf den ersten Blick alles gut und schön, aber ist im Grunde genommen völlig verwirrend und meiner Meinung nach Bürokratie in Reinform. Brauchen wir Bensheimer Bürger denn überhaupt einen solch überzogenen Aufwand, der bei ehrlicher Betrachtung beschämend wirkt? Wozu denn diesen ganzen Rummel? Vor welchen Entscheidungen drücken wir uns denn? Sollen weitere sinnlose Kosten entstehen, anstatt sich kurz mit den Realitäten intensiv zu beschäftigen, die allen bewusst sind, auf den Nägeln brennen und regulierbar sind? Will man uns von den Fehlentscheidungen in Bensheim ablenken, und uns Bürger mit einem Trostpflaster besänftigen?

Hier muss von der federführenden Stelle klar und umgehend abgestimmt und dann schlicht, offen und ehrlich entschieden werden. Tolle Vorschläge wurden in den letzten Tagen zur Genüge von verschiedenen Seiten, auch im BA unterbreitet. Viele gar nicht teure Möglichkeiten zu positiven Veränderung und der Umgestaltung unseres Marktplatzes wurden vorgebracht. Der Rahmen, die Atmosphäre, eine traumhafte Lage, Charme, sprich alle Voraussetzungen, jetzt auch wieder für kirchliche Veranstaltungen, sind vorhanden. Was wollen wir mehr?

Was bringt langes Abwarten?

Der Marktplatz wird dringender denn je gebraucht, aber wir müssen handeln und ihn einbinden. Natürlich wäre es unverzeihlich, Sankt Georg wieder zu verstecken oder nur zu behindern. Lasst die leerstehenden Häuser nicht verkommen. Mietet, vermietet oder kauft sie. Was bringt Abwarten und hohles Hoffen? Eventuelle Gerichtsentscheidungen verzögern alles, sind teuer und bringen nichts.

Das ist die Verpflichtung der politischen Entscheidungsträger, dem Bürger und den Gästen gegenüber. Warum drücken wir uns vor einem eindeutigen Votum, die verworfenen Pläne ein und für allemal zu beerdigen. Was will man denn mit Abwarten erreichen, anstatt sich mutig, zukunftsfreudig und dankbar für die erreichte Situation zu entscheiden und sie zu bejahen?

Nehmt Euch ein Vorbild an dem tatkräftigen Wirken der Anlieger der unteren Fußgängerzone! Es sollte uns Bürgern gelingen, ebenfalls etwas am Marktplatz zu bewirken. Wir Bensheimer Bürger sind bekannt als aktiv, engagiert und erfolgreich. Wir bringen uns ein. Brauchen wir eine Flut solch gut gemeinter künstlicher Impulse?

Claus Dennhardt

Bensheim

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