Leserbrief

Flurbereinigung

Von fehlendem Respekt kann keine Rede sein

Leserbrief als Reaktion auf das Leserforum „Kein Respekt vor der Natur“, BA vom 23. September 2020.

Die Ausführungen des in den letzten Tagen im BA veröffentlichten Leserbriefes von Renate Weber zum Thema Flurbereinigung der Alten Burg mit der Überschrift: „Kein Respekt vor der Natur“ stellt meiner Meinung nach eine einseitige Sicht der Dinge dar.

Schon die Römer haben die ersten Reben zur „strata montana“ gebracht. Der Weinbau an der Bergstraße wird bereits im 8. Jahrhundert im Zusammenhang mit dem Kloster Lorsch erwähnt. In Zwingenberg wird der Weinbau als ältester Zweig der Landwirtschaft in der Chronik aufgeführt und im Jahre 1862 mit einer Anbaufläche von 27 Hektar erwähnt – er nahm damals einen weitaus größeren Raum ein, als es die heutige Weinbergsfläche in der Gemarkung Zwingenberg tut.

Ich bin mir sicher, dass alle Winzer die Gaben der Natur fördern und erhalten wollen. Dies entsprechend wird unsere sehr schöne Kultur- und Weinbaulandschaft nur dann weiter erhalten werden können, wenn die vorhandenen Rebflächen den modernen Anbaumethoden angepasst werden, da in der heutigen Zeit nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, sondern auch, weil niemand mehr bereit ist, mit schwerer „Handarbeit“ die zum Teil sehr steilen Weinbergslagen zu bearbeiten.

Die abnehmende Bereitschaft, auch sogenannte „Kleinparzellen“ mit schwierigen Arbeitsmethoden zu pflegen, war mit ausschlaggebend, dass vor über 20 Jahren auf Initiative der Zwingenberger Winzer, der Stadt Zwingenberg und des Weinbauverbandes Hessische Bergstraße eine Weinbergsflurbereinigung in Zwingenberg in die Wege geleitet und unter Einbeziehung der Naturschutzbehörden durchgeführt wurde.

Diese Flurbereinigung wurde nicht nur von den Winzern, sondern auch, wie ich meine, von weiten Kreisen der Bevölkerung positiv wahrgenommen und hat auch unter Beachtung der Belange des Landschafts- und Naturschutzes großen Beachtung gefunden.

Mit der jetzt in einem zweiten Abschnitt vorgesehenen weiteren Flurbereinigung in der Lage „Alte Burg“ werden Grundstücke gebildet und Wegeführungen geschaffen, die nicht nur für die Weinbergsbewirtschaftung zukunftsorientiert und sinnvoll sind, sondern die auch für die Erhaltung und Entwicklung der Pflanzen- und Tierwelt positive Auswirkungen haben.

Respekt vor der Natur ist es auch, nicht mehr sinnvoll bewirtschaftbare Grundstücke neu zu gestalten und zu erhalten und damit auch für nachfolgende Generationen Voraussetzungen zu schaffen, unsere schöne Landschaft mit Weinbergen und einer vielfältigen Tier-und Pflanzenwelt erleben zu können.

Annelore Knecht

Zwingenberg

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