Leserbrief

Schul-Klimatag

Vor der AfD gruselt es uns jeden Abend bei den Nachrichten

„AfD-Mail sorgt für Aufsehen“, BA vom 16.09.2019

Immer, wenn ich etwas lese, was Rolf Kahn von der AfD gesagt hat, schwanke ich zwischen ungläubigem Staunen, Empörung und dem irren Lachen des Verzweifelnden.

Jüngst ist er wegen des 1. Bergsträßer Schul-Klimatages über die Kreisschülervertretung her gefallen und hat etwas abgesondert, was – so glaube ich – satirisch sein sollte, aber in Wirklichkeit den Geruch von alten Schulhäusern mit Bohnerwachs hatte. Der Ex-Lehrer teilt den aufmüpfigen Pennälern Watschen aus. Ihre Veranstaltung sei ein „völlig überzogenes apokalyptisches Untergangsszenario“, an dem sich die AfD nicht beteiligen wolle. Die Schülerinnen und Schüler hätten, so der Landtagsabgeordnete, lieber ihre „so überaus kenntnisreiche 16-jährige Protagonistin aus Schweden“ einladen sollen. Dann schreibt er was von „linksgrüner Schwarmintelligenz“, „eindimensionalen Gesprächspartnern“ und vergleicht die Weschnitz mit dem Atlantik, was wahrscheinlich ein Schenkelklopf-Brüller sein soll.

Die Klimakrise? Völlig überzogen? Ach ja? Das sieht die weit überwiegende Mehrheit des vernünftigen Teils der Menschheit anders. Wie steht es dagegen mit der sogenannten Umvolkungsstrategie, die angeblich von Angela Merkel und George Soros höchst raffiniert eingefädelt wurde und aus der die AfD Honig saugen will? Die ist real, oder was?

Der von sich selbst überzeugte 74-jährige Protagonist aus Auerbach hat dazu ganz bestimmt eine Menge zu sagen. Am erfolgreichsten wohl seinen Freunden von der populistischen Echokammer, die für ihn prima mehrdimensionale Gesprächspartner wären, so z. B. Donald Trump (würde gerne Grönland kaufen), Boris Johnson (zerhackt gerade Großbritannien), Matteo Salvini (gibt am Strand den halbnackten Bonsai-Mussolini) oder Jair Bolsonaro (lässt gerade den Amazonas-Urwald abfackeln). Merke: Die AfD ist der deutsche Ableger all jener Parteien, vor denen uns jeden Abend beim Nachrichtengucken gruselt.

Herr Kahnt schmückt sich gerne mit dem (Eintagsfliegen-)Amt des Alterspräsidenten des Hessischen Landtages. Ich hoffe, dass unsere Jugendlichen diesen Mann nicht mit uns anderen Alten verwechseln. Nicht alle in seinem Alter sind so arrogant und so ignorant gegenüber ihren Fragen und Sorgen.

Ich persönlich freue mich auf den nächsten Freitag. Dann werden wir – alte und junge Menschen von der Bergstraße gemeinsam – bei der „Fridays-for-Future“-Demonstration zeigen, dass uns die Zukunft am Herzen liegt und dass wir nach realistischen Wegen suchen, um die Schöpfung zu bewahren.

Herr Kahnt spricht für die AfD-Fraktion im Kreistag. Wer weiß, wie lange es die noch gibt. Dort sind, genauso wie in seiner Fraktion in der Bensheimer Stadtverordnetenversammlung, schon etliche von der Fahne gegangen. Besserwissen und Rechthaben kann hilfreich sein. Gepaart mit Egomanie ist es Nerven zersägend.

Hans-Joachim Greifenstein

Bensheim

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