Leserbrief

Marktplatz

Vorhaben noch nicht entscheidungsreif

Das Thema Marktplatz / Haus am Markt habe ich bisher als ein chronisches Problem wahrgenommen, jetzt ist es aber durch die aktuell von Bürgermeister und Magistrat eingebrachten Vorhaben zu einem akuten Problem geworden. Problem auch deshalb, weil sich das Vorhaben keineswegs als entscheidungsreif darstellt.

Das Ziel ist die „Schaffung der Rahmenbedingungen für eine lebendige und attraktive Innenstadt“. Das ist löblich, aber ich bin mir keineswegs sicher, ob es sinnvoll und notwendig ist, dafür „bis an die Grenzen des Vertretbaren zu gehen“. Es stellt sich auch die Frage, wie angesichts einer Schuldenlast der Stadt von ca. 155 Millionen Euro (Dr. Rolf Thiemann, BA vom 7.2.) die Grenzen des Vertretbaren definiert werden. Außerdem erzeugt die Verbesserung der Rahmenbedingungen nicht zwangsläufig eine lebendige und attraktive Innenstadt.

Fehlende Transparenz

Die Rolle, die für die MEGB in den Vorhaben vorgesehen ist, erscheint nicht hinreichend begründet. Einerseits wegen der fehlenden parlamentarischen Transparenz und andererseits, weil die „Kriegskasse mit acht Millionen Euro“ ja keinen echten Überschuss der MEGB darstellt, sondern den Zuschuss von 12,5 Millionen Euro, den die MEGB früher von der Stadt erhalten hatte, nur zu 64 Prozent abdeckt (Holger Steinert, BA vom 3.2.18). Wenn im Zusammenhang mit Immobilien die Rede von einer gut gefüllten Kasse ist, dann fällt mir die angeblich unausweichliche Erhöhung der Grundsteuer um circa 63 Prozent seit dem Jahr 2015 ein, deren Reduzierung offensichtlich überhaupt nicht erwogen wird.

Die Häuser mit dem ungünstigsten Zustand sind wohl Marktplatz 2 und 3, aber gerade für diese Häuser gibt es derzeit keine Sicherheit bezüglich der Realisierung des Vorhabens.

Nutzung noch nicht geklärt

Auch erscheint es bedenklich, dass die zukünftige Nutzung der zu sanierenden oder neu zu bauenden Häuser wenig geklärt ist. Meiner Erinnerung nach scheiterte der Neubau des Hauses am Markt für die Modekette H&M daran, dass H&M keinen Zehn-Jahres-Mietvertrag abschließen wollte. Wenn jetzt das Familienzentrum in das Haus am Markt käme, gäbe es zwar mit den zehn Jahren kein Problem, aber würde dann eine Miete gezahlt?

Natürlich verstehe ich, dass man mit der Situation Marktplatz vorankommen möchte, jedoch vermisse ich beim jetzigen Vorgehen der Verantwortlichen die Anwendung des sonst bei Politikern beliebten Spruches: Gründlichkeit vor Schnelligkeit.

Im Übrigen habe ich zu Hause den Blick auf den Marktplatz in Richtung Kirche häufig vor Augen: nämlich in Form eines Bildes des Künstlers Fekete mit Brunnen, Kirche und den Häusern nördlich der Kirche. Es muss kein Omen sein, dass das Haus am Markt auf dem Bild fehlt. Ich vermute, dass sich Fekete das Haus einfach weggedacht hat: eine kostengünstige Lösung allemal.

Erhard Broszio

Bensheim

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