Leserbrief

Sparkassenfusion

Wann soll die Fusion kommen, wenn nicht jetzt?

Der Vorsitzende des Vorstands der Sparkasse Bensheim nimmt zum 31. Juli dieses Jahres vorzeitig seinen Hut – aufgrund von Meinungsunterschieden über die strategische Ausrichtung der Sparkasse, wie Bürgermeister Richter als Vorsitzender des Verwaltungsrats der Sparkasse, flankiert von den Bürgermeistern der Trägergemeinden Lorsch, Einhausen und Zwingenberg, der Presse mitgeteilt hat.

Erst 2018 war der Vertrag des Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse bis 2024 verlängert worden. Nun will der Verwaltungsrat der Sparkasse die vakant gewordene Stelle ausschreiben und bis Sommer 2021 wieder besetzen. Ja, geht’s denn noch?

Es kommt noch schlimmer: Das Sparkassengebäude am Bahnhof, erst vor 40 Jahren gebaut, vor 20 Jahren schon wieder umgebaut, soll Ende des Jahres 2021 abgerissen und bis 2024 an Ort und Stelle durch einen dreigeschossigen Neubau für 35 Millionen Euro ersetzt werden.

Nur über eines hat der Verwaltungsrat der Sparkasse sich keine tiefergehenden Gedanken gemacht: nämlich eine Fusion der Sparkassen in Bensheim und Heppenheim. Denn die Sparkasse Bensheim habe eine „gute Größe“, ihr Geschäftsgebiet sei „groß genug“.

Das zieht einem Sparkassenkunden die Schuhe aus. Die Sparkasse Bensheim gehört bekanntlich hinsichtlich ihrer Größe zur „Nachhut“ der Sparkassen in Hessen. So gibt es in Oberhessen für Wetterau- und Vogelsbergkreis nur noch eine einzige Sparkasse. Ist das dem Verwaltungsrat nicht bekannt?

In Lautertal und Lorsch sind kritische Stimmen zu vernehmen, weil die Sparkasse Bensheim auch in diesem Jahr Ausschüttungen an die Trägerkommunen verweigert, anders als andere Institute. Die Zeit solcher schwachen Sparkassen ist abgelaufen. Das Gebiet der Stadt Lindenfels ist zwischen der Sparkasse Bensheim und Starkenburg seit der Gebietsreform vor 50 Jahren sparkassenmäßig aufgeteilt, spricht nicht schon dieser Umstand für eine Fusion? Die Bürgermeister der Trägergemeinden Lindenfels und Lautertal waren übrigens bei dem oben erwähnten aktuellen Pressegespräch nicht zugezogen worden, warum nicht?

Haben die Stadt Bensheim und ihr Bürgermeister mitsamt Magistrat nicht schon alle Hände damit zu tun, das erbarmungswürdig zugerichtete Bürgerhaus in seiner wüsten Umgebung und den ruinierten Marktplatz wieder in einen attraktiven Zustand zu versetzen? Hat der Bürgermeister der Stadt Lorsch, auch beim Pressegespräch zugegen, nicht alle Hände voll zu tun, um das Desaster um die Schön-Klinik zu bewältigen?

Wie viele Jahre sollen die Mitarbeiter der Sparkasse denn in ihren angemieteten behelfsmäßigen Räumen im Westen der Stadt noch untergebracht bleiben? In Heppenheim könnte in dem ansehnlichen modernen Gebäude der Sparkasse Starkenburg auch die Spitze einer Kreissparkasse nach Fusion problemlos ihren Sitz haben. Am Bahnhof in Bensheim könnte Platz für dringend benötigten Wohnraum mitten in der Stadt geschaffen werden. Das leerstehende Kaufhaus Krämer könnte nach einer Sparkassenfusion wichtigste Filiale einer Kreissparkasse mitten in unserer Stadt werden. Welche Aufwertung des Marktplatzes und zugleich der kränkelnden Innenstadt.

Was soll den kleinen Sparern denn noch zugemutet werden, denen die sich ständig erhöhenden Gebühren der zu kleinen Sparkasse Bensheim das Geld aus der Tasche ziehen? Spielen die finanziellen Interessen der Sparkassenkunden bei den Plänen des Verwaltungsrats der Sparkasse mit Bürgermeister Richter an der Spitze keine Rolle?

Die Sparer der Sparkasse Bensheim sind auch Wähler. Sie können die kostspieligen Pläne der verantwortlichen Vertreter ihrer Gemeinden im Verwaltungsrat der Sparkasse durch Stimmentzug auf dem Wahlzettel quittieren. Anstehende Bürgermeisterwahlen und die Kommunalwahlen im nächsten Jahr bieten Gelegenheit, den allzu selbstherrlichen Parteien, deren Vertreter im Verwaltungsrat der Sparkasse Bensheim eine Fusion boykottieren, die Stimmen zu entziehen.

Dr. Dieter Emrich

Bensheim

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