Leserbrief

Stadtentwicklung

Warum wurden die Bedenken nicht früher geäußert?

Bis vor zwei Jahren hat sich niemand wirklich für die Lauter in der Bensheimer Innenstadt interessiert, und sie wurde entsprechend wenig gepflegt.

Gefahren und offene Zugänge gab und gibt es noch immer – zum Beispiel Brüstungshöhen und andere Sicherheitsthemen wie an allen Bächen und Seen in Bensheim. Das wird sich auch zukünftig nicht ändern. Das alles war bisher aber kein Grund zur Aufregung.

Fachleute auf Lösungssuche

In Deutschland gibt es viele Wasserplätze mit integrierten Spielplätzen. Sie werden mit großem Erfolg betrieben, auch vor unserer Haustür – beispielsweise in Einhausen, Lorsch und sogar in Bensheim an der Bleiche. Alles Orte, die von Eltern und Kindern mit viel Freude angenommen werden. Sollen wir jetzt alles schließen? Und was ist mit den Seen in und um Bensheim? Müssen wir jetzt alle Gewässer mit Zäunen und Mauern absichern?

Viele engagierte Bürger haben sich umfangreiche Gedanken gemacht. Fachleute, das städtische Bauamt, der Gewässerverband und der TÜV haben intensiv nach Lösungen gesucht. Es gab so viele Veranstaltungen dazu. Jeder, der wollte, konnte Bedenken und Ideen mit einbringen, die berücksichtigt und bearbeitet wurden.

Da stelle ich mir die Frage, wo alle ach so besorgten Menschen im Vorfeld waren und warum sie nicht die Veranstaltungen zum Thema Innenstadt besucht und dort ihre Kritik geäußert haben.

Und jetzt plötzlich kommen, fast wie abgesprochen, alle Ewiggestrigen, die scheinbar ihre Kindheit vergessen haben, und wissen alles besser? Statt zu sagen, was alles nicht geht, sollen sie doch mal Ideen einbringen, über die ein Dialog geführt wird. Von den Kritikern dürfen konstruktive Vorschläge erwartet werden, wie die Innenstadt entwickelt werden kann. Alles andere ist Polemik – und schlechte Politik.

Nicht alles zerreden

Das ist nicht das, was unsere Stadt in diesen Zeiten braucht. Gebraucht werden Menschen, die Verantwortung für die Zukunft dieser Stadt übernehmen. Einfach alles stoppen und es so zu belassen, wie es ist, ist rückständig und wird den nächsten Generationen in dieser Stadt nicht gerecht.

Es haben sich in den letzten Jahren zwei Bürgermeister – mal mehr, mal weniger – an diesem Thema mit wenig Erfolg abgearbeitet. Lassen wir jetzt mal unsere neue Bürgermeisterin und unsere Stadtbaurätin ihre Arbeit machen und zerreden wir nicht, was schon Gutes auf den Weg gebracht wurde.

Riesiger Investitionsstau

Es ist kaum zu leugnen, dass wir in Bensheim einen riesigen Investitionsstau haben; und glaube niemand, dass das, wenn wir so weitermachen, in zehn Jahren besser ist. Vielmehr wird dieser Investitionsstau jedes Jahr, in dem wir untätig nur weiter rumschimpfen, immer mehr ansteigen.

Aufhören sollten wir damit, unserer Jugend Zerstörungswut und Vermüllung vorzuwerfen. Ich sehe unsere Jugend deutlich verantwortungsbewusster und engagierter als viele Leserbriefschreiber. Stattdessen sollten wir besser hinhören, was junge Menschen sich für ihre Stadt wünschen.

Sanjin Maracic

Bensheim

Info: Leserbrief-Richtlinien unter bergstraesser-anzeiger.de/ leserbriefe

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