Leserbrief

Klimakonferenz

Was Regierungen nicht gelingt, wird Aufgabe der Justiz

„Zeitaufschub“, Kommentar von Werner Kolhoff im BA vom Montag, 17. Dezember

Etwas konkreter hätte Werner Kolhoff in seinem Kommentar ja werden können. Zum Beispiel, dass die USA, Brasilien, Saudi-Arabien und Russland sich gegen die Maßnahmen im Klimaschutz nicht nur sträuben, sondern den Klimawandel mit all seinen Gefahren für die Menschheit leugnen. „Seit Donald Trump im Amt ist, regiert die fossile Energieindustrie die USA“, so Claudia Kempfert (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) in Thilo Bodes Buch „Die Diktatur der Konzerne“. Und das, obwohl es in Kalifornien und im Mississippi-Delta schon jetzt vielfach „Land unter“ heißt, weil die Pole abtauen, weltweit die Gletscher schmelzen und der Meeresspiegel steigt.

Massive Lobbyarbeit

Schuld daran ist laut Bode – und da stimme nicht nur ich mit ihm überein – die „fossile Energiewirtschaft“, die mit massiver Lobbyarbeit weltweit eine weitere Nutzung von Öl, Kohle, Gas und Atomkraft durchgesetzt hat. „Die alte Energiewelt einer sterbenden Industrie kämpft erbittert um jeden Tag. Jeder Tag, an dem diskutiert und nicht gehandelt wird, ist für die Lobbyisten der Vergangenheit ein gewonnener Tag. Denn jeder Tag, an dem die fossilen und atomaren Kraftwerke weiterlaufen, spült Millionengewinne in ihre Kassen“, schreibt Bode dazu.

Im Kapitel „Die Sprit-Lüge“ kritisiert er richtigerweise auch die Entwicklung in Deutschland. Statt kleine, spritsparende Autos zu bauen, stellte die Automobilindustrie zwischen 2008 und 2015 immer mehr motorstarke SUV (Sport Utility Vehicles) her. Dies führte innerhalb von sieben Jahren zu einem rechnerischen Mehrverbrauch von 3,7 Milliarden Liter Kraftstoff und zu 9,3 Millionen Tonnen zusätzlichen Kohlendioxidemissionen.

Klimaziele deutlich verfehlt

Das überwiegende Festhalten an der Verbrennungsenergie, dem erhöhten Verbrauch im Straßenverkehr durch PS-starke Autos sowie eine Behinderung des Ausbaus erneuerbarer Energien führen laut Bode dazu, dass Deutschland seine Klimaziele deutlich verfehlte und die Gefahren von Extremwetter und Überflutung weiter Teile auch unseres Landes immer größer werden.

Als letzten Rettungsanker gegen die „fossile Energiewirtschaft der Vergangenheit“ sieht er juristische Schritte an. Wenn die Regierungen weltweit nicht in der Lage seien, den Konzernen Einhalt zu gebieten, müssten diese Aufgabe die Gerichte übernehmen.

Heinz Eichhorn

Lautertal

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