Leserbrief

Beauner Platz

Was soll nur aus der „Aalag“ werden?

„Keine Mehrheit für Gestaltungspläne rund um den Beauner Platz“, BA vom 17. Juni

Im Jahr 1864 beschloss der Stadtrat, die ehemalige „Bleiche „ in eine Anlage, eine sog. Promenade“ umzuwandeln. Entlang des offenen Laufes des Winkelbaches lustwandelten damals die „vornehmen Leut“. Ab den 1920er Jahren vergnügte sich auch das gewöhnliche Volk im Sonntagsstaat auf der „Aalag“. Bis in die 60er Jahre war die Anlage in ihrem nördlichen Teil eine beliebte Parkanlage. Der Südteil war Juxplatz und immer mit den verschiedensten Aktivitäten und Veranstaltungen belebt. So wussten es noch die Alten.

Probleme sind lange bekannt

Das ist vorbei, beschreibt aber einen wesentlichen Teil Bensheimer Stadtgeschichte. Von da an ging es dem „Kerngebiet von Bensheim zwischen historischem Stadtkern und dem Bahnhof“ an den Kragen.

Die meisten Probleme um den Beauner Platz und das Neumarkt-Center sind seit langem bekannt und mindestens seit 2012 auch formuliert. Damals initiierte die Stadt Bensheim einen Wettbewerb für ein ein Gesamtkonzept Beauner Platz und Bürgerhaus. Im Auslobungstext ist die Rede von einer „Reihe städtebaulicher Missstände“ über „ funktionale und gestalterische Mängel“ und dem „versiegelten Freibereich“.

„Der Platz wird als unattraktiv wahrgenommen“, ihm mangelt es an „Aufenthaltsqualität und Attraktivität“. Vom Neumarkt-Center steht „im Untergeschoss 1200 Quadrameter Verkaufsfläche leer. In der darüberliegenden Ladenpassage steht der nördliche Teil“ seit etlichen Jahren leer. „Durch das Neumarkt-Center ergeben sich in der näheren Umgebung städtebauliche Mängel, wie schmale, verwinkelte, unattraktive Straßenräume“.

Nebenbei bemerkt kommen Großstädte zunehmend davon ab, Flächen zu versiegeln, und gestalten die autogerechte Stadt zugunsten von Radfahrern und Fußgängern um. Bensheim könnte zudem mit einem offenen, naturnahen Winkelbach glücklich werden.

Nachhaltige Lösung gefordert

Damals wie heute gilt es, sich mit diesen Problemen ernsthaft auseinanderzusetzen. Damit verbietet sich meines Erachtens jede kurzfristige Lösung. Es darf nicht nur um ein nettes Herrichten des Eingangsbereiches zum Bürgerhaus gehen. Vielmehr handelt es sich bei einer Umgestaltung des Bereiches Beauner Platz und Neumarkt um ein eigenständiges und notgedrungen auch kostenverursachendes Projekt.

Eine kleine, weil kostengünstige Alternative würde den Problemen nicht gerecht, zumal man nicht nur hier in Bensheim schon wiederholt schlechte Erfahrung mit „kostengünstigen Lösungen“ gemacht hat, die der Stadtkasse letztlich teuer zu stehen kamen und kommen. Allein, es fehlen die nötigen Mittel. Deshalb werden wir Bürger lieber etwas länger auf eine nachhaltige Lösung für die ehemalige städtische Anlage warten, und uns nicht mit schnellen Konzepten zufriedengeben.

Dieter Rogalli

Bensheim

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