Leserbrief

Haus am Markt

Was spricht gegen einen Abriss ohne Neubau?

Durchblick beim Haus am Markt, BA vom 19. Juni

Das alte und doch noch junge Haus am Markt ist nun Geschichte. Das Titelbildfoto in der BA-Ausgabe veranschaulicht treffend sein unwiderrufliches Ende. Man kann über den Abriss-Beschluss geteilter Meinung sein, jedoch eröffnet jede Veränderung in unserem Leben neue vorher gar nicht oder kaum interessante Gesichtswinkel, die vorher im Verborgenen schlummerten.

Durch den Abriss erhält unsere stattliche Kirche wieder ihre Stellung, die ihr gebührt. Das ist die eine sehr positive Seite der Medaille. Wenn unsere Stadtväter auf einen Neubau verzichten würden, dann würde auch die andere Seite der Bensheimer Kernfrage, die Belebung des Marktplatzes, ins Rampenlicht gerückt. Dieser neue Betrachtungswinkel würde eine ganze Palette von Möglichkeiten eröffnen, um die Probleme unseres Stadtmittelpunktes zu lösen.

Ein völlig neues letztes Kapitel könnte nun den langen Prozess der Diskussionen und der Meinungsverschiedenheiten betreffs Abriss und Neubau beenden. Der Abriss ohne Neubau wäre möglich, wenn die Stadtväter ihn beschließen.

1. Millionen an Geld, das an anderen Stellen im Haushalt fehlt, wird eingespart.

2. Die Kirche Sankt Georg steht wieder als sichtbares markantes Wahrzeichen im Mittelpunkt.

3. Der Marktplatz gewinnt wichtige Flächen und Raum.

4. Bauarbeiten und Unruhe für einen Folgebau entfallen.

5. Bäume müssen nicht gefällt und beschnitten werden.

6. Viele Gestaltungsmöglichkeiten können problemlos in Angriff genommen werden. Etwa ein Platz zum Verweilen mit Bänken und Sitzmöglichkelten unter dem vorhandenen Grün, ein Kinderspielplatz, ein kleines nettes Café, ein Weinausschank. Den Vorstellungen und Fantasien der Planer und Architekten sind keine Grenzen gesetzt.

7. In unmittelbarer direkter Nachbarschaft befindet sich versteckt ein traumhafter unterirdischer geräumiger nicht genutzter Gewölbekeller, der in die Nutzung mit einbezogen werden könnte.

8. Die Hauptsorge unseres Bürgermeisters, welches der beste Weg sei, unseren Marktplatz zu beleben und völlig neu zu gestalten, könnte ohne Belastungen abgewogen und in Angriff genommen werden.

9. Planungen, Unwägbarkeiten für den Neubau, nicht abzuschätzende weitere Kosten bei Errichtung eines seither noch gar nicht genehmigten Ersatzbaus entfallen.

10. Nicht nur die Bürger und Gläubigen, sondern auch der Mainzer Bischof und die zuständigen Pfarrer werden sich freuen.

11. Die Belebungsträume ließen sich wesentlich leichter erfüllen.

Natürlich wird das Geschick und die Einsatzfreude der MEGB gefordert, um den vordringlich anstehenden Erwerb der leerstehenden Fachwerkhäuser am Marktplatz , ohne zu resignieren, voranzutreiben und Jahre lange gerichtliche Auseinandersetzungen zu vermeiden. Für das Familienzentrum und den Hospiz-Verein werden sich wohl passende Immobilien finden lassen. Kämen die jetzt trostlosen Räumlichkeiten des Neumarktzentrums am Beauner Platzes nicht in Frage?

Die Hoffnungen des Café Extrablatts lassen sich an anderen geeigneten Grundstücken, die sogar in städtischem Besitz sind, sicherlich verwirklichen. Der Dalberger Hof ist doch ein ansprechendes Gebäude. Es wäre eine Aufgabe der MEGB, sich hier etwas einfallen zu lassen.

Was spricht eigentlich gegen einen Abriss ohne einen Nachbau? Der im Krieg zerstörte Vorgängerbau scheint architektonisch nicht so attraktiv gewesen zu sein, um als Vorbild zwingend einst und jetzt notwendig für einen Nachbau zu sein.

Unsere Stadtväter sollten bei der Denkmalschutzbehörde ein mächtiges Wort einzulegen, um sie von einer vernünftigen und sinnvollen risikolosen Lösung ohne Neubau zu überzeugen.

Claus Dennhardt

Bensheim

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