Leserbrief

Elektromobilität

Weder sparsam und schon gar nicht klimaneutral

"Sauber, leise und sparsam", BA vom 30. August

Die Bensheimer Stadtverwaltung fährt nach eigenen Angaben mit klimaneutralem Strom: "Sauber, leise und sparsam". E-Autos fahren leise, das stimmt. Aber sie sind weder sauber noch sparsam und schon gar nicht klimaneutral. Die Autohersteller werben für ihre E-Mobile mit null Gramm CO2-Emission pro Kilometer. Das ist richtig, aber nur während der Fahrt. Beim Laden des Akkus wird sehr viel CO2 in die Luft geblasen. Mehr als bei Dieselautos, ja sogar noch mehr als bei Benzinern.

Wieso? Elektroautos fahren immer zu 100 Prozent mit Kohlestrom. Gemäß EEG speisen Wind und Photovoltaik vorrangig, also immer alles, was produziert wird, ins Netz ein. Wenn jemand den Stecker zum Laden des Autoakkus in die Ladestation steckt, fährt zum Beispiel das Steinkohlekraftwerk Mannheim die Leistung etwas hoch. Windräder können ihre Leistung nicht erhöhen. Jede zusätzliche Leistung wird nämlich immer durch Hochfahren konventioneller Kraftwerke geliefert. Man kann das schön in den Tageslastdiagrammen des Strommix erkennen.

Wenn dann bald ein paar Millionen Elektroautos von unseren insgesamt 42 Millionen Pkw nach Feierabend an die Steckdosen gehen, die Sonne langsam untergeht und der Wind abflacht, dann würden unsere Kohlekraftwerke, wenn es sie dann noch gäbe, brummen wie nie zuvor. Für die volle E-Mobilität bräuchte man hunderte Kohlekraftwerke zusätzlich oder ein paar Dutzend Kernkraftwerke. Hans-Werner Sinn, IFO-Institut, und andere haben das schon mehrfach präzise vorgerechnet.

Das ist absolut unbezahlbar

Der Plan ist aber, Wind und Sonne zu verwenden. Laut Rainer Baake, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, sind nach "Klimaschutzplan 2050" zu den 27 500 Windrädern, die wir schon haben, noch mehr als 350 000 (!) riesige Windräder neuster Bauart notwendig. Das könnte aber nur durch Speicherung des Stroms gelingen mit hunderten von riesigen Pumpspeicherwerken oder vielen Power-to-Gas-Anlagen. Der Schönheitsfehler dabei ist: Es ist absolut unbezahlbar!

Schön für die Stadt Bensheim, dass sie die Hälfte der Anschaffungskosten - nämlich 100 000 Euro - vom BMU bekommen hat. Das sind jedoch auch unsere Steuergelder. Für Otto-Normalverbraucher sind E-Autos in der Anschaffung wesentlich teurer als vergleichbare Diesel oder Benziner.

Die "Tankkosten" für das Rathaus von nur 27 Cent pro Kilowattstunde bedeuten dann Kosten von 5,50 Euro pro 100 Kilometer. Die GGEW will aber von Normalbürgern 50 Cent pro Kilowattsunde plus 719 Euro für das "SmartCable" (Stecker) und 595 Euro für einen "Simple Socket"! Jetzt sind wir schon bei über zehn Euro pro 100 Kilometer. Bei einigen E-Autos muss man beim Kauf zusätzlich den Akku für 69 Euro pro Monat mieten. Nach Verbrauchsangaben derselben Hersteller fahren aber ihre vergleichbaren Dieselautos für 69 Euro 1300 Kilometer weit.

Zynisch klingt der Vorschlag der Stadt Bensheim, man solle die Kosten für sein E-Auto auf zwei Euro pro 100 Kilometer senken, indem man an seiner häuslichen Tankstelle (PV-Anlage) auftankt. Etwas wohlhabendere Hausbesitzer mit eigener PV-Anlage auf dem Hausdach haben ja neben ihrem SUV einen Zweitwagen mit Elektroantrieb, der dann mittags - aber nur wenn die Sonne scheint - preiswert betankt wird.

Die Straßenparker suchen und kloppen sich nachts um halb drei um eine öffentliche Ladestation der GGEW?

Hans Ambos

Bensheim

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