Leserbrief

Biogasanlage

Wo "Bio" draufsteht, ist nicht unbedingt Bio drin

Zum Bericht "Rosige Prognose" im BA vom 20. August

Was wollte uns die Infoveranstaltung der Energiegenossenschaft Starkenburg zur Übernahme der Lorscher Biogasanlage mit auf den Weg geben? Einen Tipp, für eine bessere Geldanlage und dann noch alles in Bio gepackt? Die Realität sieht aber ganz anders aus. Bei diesem konkreten Fall "stinkt" etwas.

Festhalten muss man, dass Biogas überhaupt nichts mit "Bio" zu tun hat und nicht unter das Bio-Qualitätssiegel fällt, wie beispielsweise Lebensmittel. Daher ist die Anlage auch keine "Biogasanlage", sondern ganz korrekt eine Anlage zur Methanherstellung auf der Basis pflanzlicher und tierischer Roh- und Abfallstoffe. Der Begriff ist irreführend und hat nur den Zweck, den Menschen eine saubere Technologie vorzugaukeln.

Gefahr durch "Vermaisung"

In einer solchen Anlage werden tierische und pflanzliche Roh- beziehungsweise Abfallstoffe vergoren. Übrig bleibt ein Rest aus Düngemitteln, Herbizide, Insektizide, Antibiotika . . . Diese Stoffe finden sich dann in den Gärresten wieder. Die Biogasanlagenbetreiber düngen mit diesen Gärresten die Felder vor ihrer Haustür, die aber so viele Nährstoffe gar nicht aufnehmen können. Damit ist ein Anstieg der Nitrate im Grundwasser beziehungsweise Trinkwasser verbunden. Alles ganz legal. Gärreste aus Mais gehören nicht zum Wirtschaftsdünger und somit gelten auch keine Obergrenzen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die "Vermaisung" durch Mais-Monokulturen der Landschaft und damit verbunden eine Beeinträchtigung der biologischen Vielfalt. Damit fehlen dann die Flächen für den Anbau von Nahrungsmitteln. Mittelfristig ist mit einer Zunahme von Maiskrankheiten und -schädlingen auszugehen. Es besteht die Gefahr, dass möglicherweise gentechnisch veränderter Mais zum Einsatz kommen wird. Probleme, mit denen dann der Feldnachbar zu kämpfen hätte.

Selbst der Koalitionsvertrag der schwarz-grünen Landesregierung in Hessen sieht die Biomasse zur Energiegewinnung vor. Allerdings steht hier Quantität statt Qualität im Fokus sowie der Erhalt der biologischen Vielfalt. Vorrangig sollen Abfall- und Reststoffe verwendet werden. Nicht nachvollziehbar ist allerdings noch, dass der Anbau von Energiepflanzen stärker gefördert wird als der Ökolandbau. Das stellt für die Entwicklung des Ökolandbaus eine massive Behinderung dar. Unverständlich ist, dass bei der Förderung von Biogasanlagen die ökologischen Zusammenhänge nicht mit einbezogen wurden. Alternative Pflanzen gibt es heute schon, nur diese sind nicht so pflegeleicht beziehungsweise wirtschaftlich wie Mais und passen nicht in die Renditeerwartungen der Beteiligten.

Michael Obermair

Heppenheim

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