Leserbrief

Stadtentwicklung

Zugang zur Lauter wird Naturidyll am Bachlauf zerstören

Ein anderer, bislang nicht angesprochener Aspekt ist die Renaturierung der Lauter. Die Maßnahme hat den kleinen Bach auf einem kurzen Abschnitt aus seinem engen Korsett befreit und dazu geführt, dass er jetzt hörbar und mäandrierend durch die Bensheimer Innenstadt fließt.

Im Frühjahr säumen hunderte Osterglocken die Ufer des Bachlaufs, später viele wilde Stauden, mit wiederkehrenden Besuchen eines Stockenten-Paares. Von der Mittelbrücke lassen sich Forellen beobachten, die jedoch bei kleinster Störung im Ufer verschwinden. Eine Idylle – naturverträglich und gut anzusehen.

Offensichtlich sehen das nicht alle so, wollen doch einige das Ufer der Lauter zu einem Erlebnis- und Aufenthaltsbereich machen und glauben, die Attraktivität der Stadt damit zu erhöhen. Ob diese Wünsche zu Ende gedacht sind, muss bezweifelt werden.

Spielplatz wird Gefahrenquelle

Durch die Schaffung eines Zugangs vom Spielplatz am Wambolter Hof zur Lauter wird keine Mutter im Café oder auf den angrenzenden Bänken in Ruhe verweilen können. Kinder haben einen großen Drang zum Wasser.

Ein kurzer Augenblick verminderter Aufmerksamkeit kann verheerende Folgen haben oder dazu führen, dass verantwortungsvolle Eltern den Spielplatz, eine Gefahrenquelle, meiden.

Wer mit Schlagworten wie „Highlight mit Zugang zum Bachlauf“ oder „Gastronomie und Einzelhandel profitieren durch Aufwertung der Lauter“ argumentiert, hat nicht zu Ende gedacht. Der Zugang zur Lauter wird vieles zerstören, dazu muss man kein Bedenkenträger sein, es reicht gesunder Menschenverstand. Und das hat nichts mit „Mut zu Gestaltung“ zu tun.

Osterglocken und Stauden werden unter Steinen oder Asphalt verschwinden. Wofür eine aufwendige Renaturierung, wenn sie kurz danach wieder „zivilisiert“ wird, wie eine Leserbriefschreiberin es formuliert hat.

Verbleiben wird ein weiterer Bereich, der in der jährlichen Aktion „Sauberes Bensheim“ gereinigt werden muss. Wo sind diejenigen, die sonst lautstark vorgeben, sich für die Natur einzusetzen. Soll und muss jedes Stückchen Natur der Nutzung und letztlich der Zerstörung zugeführt werden?

Georg Rossa

Bensheim

Info: Leserbrief-Richtlinien unter bergstraesser-anzeiger.de/ leserbriefe

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