Leserbrief

Johannisfest

Zwei Sommerfeste braucht Lorsch nicht

Ein Sommerfest muss aus Spargründen ausfallen. Lorsch hat zwei Sommerfeste: am Anfang des Sommers das Johannisfest um den 21. Juni und am Ende des Sommers die Kerb mit Tabakfest, um den 21. September. Warum soll das Johannisfest ausfallen?

Erstens: Zwei Sommerfeste braucht Lorsch nicht. Eins reicht, zumal viele Vereine ein Sommerfest feiern. Zweitens: Das Johannisfest ist ein christlich benanntes Sommersonnwendfest (kürzeste Nacht für den Täufer Johannes, den Vorläufer Jesu, dessen Geburt kurz nach der Wintersonnenwende – der längsten Nacht – „genau“ ein halbes Jahr später gefeiert wird).

Drittens: Das Johannisfest ist das traditions-abgebrochenste Fest, denn kaum einer geht noch ins Bierzelt. Viertens: Die Lorscher Kerb ist tiefer in der Stadt verwurzelt als das Johannisfest.

Fünftens: Nicht Johannes‘ Worte, sondern Jesu Worte sind wichtig für das Funktionieren unserer westlichen Staaten, und Kirchweih ist ein Fest eines hervorgehobenen Ortes der Gegenwart Jesu. Schließlich Sechstens: Das Johannisfest ist das teuerste Stadtfest.

Auf Feuerwerk verzichten

Es ist gut, dass es ein Fest der Ortsgemeinschaft gibt, denn trotz des Überangebotes von Unterhaltungsmöglichkeiten – zum Beispiel Fernsehen, Tanzbars, Kulturelles wie Märkte und Konzerte – bietet ein Stadt-Sommerfest vieles: die Wirklichkeit, sich auf einer Bühne darzustellen, die das Selbstbewusstsein steigert (vor allem bei Kinder- und Jugendgruppen), die Freude bei Erlebnissen und Darbietungen und Begegnungen (Kommunikation), das Wertgefühl für Lorscher Schönes wird erhalten oder gesteigert.

Es ist wohl eine gute Idee, das gewerbe-orientierte Frühlingsfest auf den Sommeranfang zu legen, zusammen mit dem evangelischen Pfarrfest und einem Gewürz-, Handwerker- und Künstlermarkt, genannt Johannismarkt.

Aus Gründen der Gesundheit sollte man das Feuerwerk nicht mehr abbrennen. Man denke an Schadstoffe wie Blei, Kupfer, Strontium, Aluminium. An Sylvester entspricht die Menge an Feinstaub 16 % dessen, was der Straßenverkehr im gesamten Jahr an Feinstaub produziert.

Aber sparen muss man weiter, um die Erhöhung der Grundsteuer zureichend zu begründen, denn nötige Straßenerneuerungen sollen von allen Nutzen der Straßen erträglich bezahlt werden und nicht nur von den Straßen-Anwohnern mit zum Teil schwer erträglichen Schulden.

Parkplatz und Lesefest streichen

„Ausfallen“ unter anderem könnte der Parkplatz am Friedhof und das Stadt-Lesefest. Es fördert das Leseinteresse bei Hörern nicht, wie auch Konzerte nicht das Musizieren, nur sind beides Unterhaltung auf hohem Niveau.

Wir Bürger sind gespannt, wie die Stadtverordneten debattieren und für uns entscheiden. Hoffentlich kommt das Argument nicht: „Aber das Johannisfest hat doch eine Tradition!“

Denn Traditions-Zöpfe gehören abgeschnitten, wenn sie kaum allgemeinen Sinn bieten.

Aber dazu braucht es Mut: Mut, auf einige Wählerstimmen zu verzichten, wenn dies der Wahrheit (besseren Konfliktlösung) dient.

Stefan Link

Lorsch

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