Lindenfels

Forstamt Mitarbeiter legen den Wasserspender des früheren Dürr-Ellenbachs im gleichnamigen Tal frei / Nur das Forsthaus steht noch

200 Jahre alter Brunnen sprudelt wieder

Aschbach.Jahrzehnte hatte er unter Schlamm und Dreck gesteckt, jetzt ist der alte Glanz wieder sichtbar. Unter der Regie von Revierförster Stefan Aßmann wurde der steinerne Laufbrunnen unterhalb des ehemaligen Forsthauses in Dürr-Ellenbach mit Forstamtskräften wieder freigelegt. „Bis über den Rand hinauf war alles voll mit Erde“, deutete Aßmann auf die deutlich sichtbaren Spuren an der nebenan liegenden Sandsteinmauer. „Adam Gölz 1830“ ist auf einem der beiden Tröge zu lesen. „Der erste war für die Menschen, der zweite, hintere, für die Tiere“, so der Hartenroder.

Hilfe aus Wald-Michelbach

Bereits 200 Jahre alt ist der Brunnenstock. Die Inschrift „N 1818 G“, (Nikolaus Gölz 1818) ist unterhalb des verzierten Kopfes auf ihm zu finden. „Vorher war das total versumpft“, erläuterte Aßmann seinen Überwälder Försterkollegen bei einem Zusammentreffen. „Von den Trögen war nichts mehr zu sehen“, hob er hervor. Der Wasserspender, vorher weiter unten am Stock angesiedelt, musste etwas nach oben verlegt werden, da der Druck nicht mehr ausreichte. Aßmann zeigte sich über die Unterstützung des Bauhofs der Gemeinde Wald-Michelbach dankbar. Über einen Meter hoch hatte sich die Erde über dem steinernen Laufbrunnen angesammelt. Die wurde von den Arbeitskräften im Laufe der vergangenen zwei Monate abtransportiert. Nun sprudelt der Überlauf der Forsthausquelle wieder fröhlich vor sich hin.

Aßmann hatte schon längere Zeit die Idee, den 200 Jahre alten Brunnen wieder freizulegen. „Ich wollte damit auch der Falschmeldung entgegentreten, dass ihn Hessen-Forst verkauft hätte“, schmunzelte er. Früher war die Funktion eines Brunnens vielfältiger. Er war nicht nur – gerade im Odenwald – Spender sauberen Trinkwassers, das ohne Probleme genossen werden konnte, sondern diente auch als Waschmaschine, Kühlschrank oder Badewanne. Das kühle Quellwasser war in heißen Sommern eine willkommene Erfrischung.

Das ehemalige Forsthaus ist heute die Wohnung von Förster Florian Koch. Das dazugehörige Revier Dürr-Ellenbach gibt es allerdings seit 2005 nicht mehr. Es ist seit der Forstreform Teil des Reviers Wald-Michelbach, das von Aßmann betreut wird. Koch ist stattdessen für das sich südlich anschließende Revier Schönbrunn mit dem Hauptort Unter-Schönmattenwag zuständig, das er seit dem Umzug des dortigen Leiters Alex Scheuermann nach Ober-Sensbach kommissarisch leitet.

Aßmann erklärte seinen Kollegen, dass das 2017 renovierte Forsthaus nicht als solches gebaut worden sei: Es ist das einzige verbliebene Gebäude des damaligen Weilers, der vor 1850 über 50 Bewohner zählte. Für die dortigen Kinder gab es sogar ein eigenes Schulhaus. Das Kurfürstengut, als klassisches Beispiel eines Odenwälder Hubenguts, einer Hofreite, wurde Ende des 18. Jahrhunderts errichtet. Das aus drei Steinen bestehende rundbogige Türgewände des ehemaligen Pferdestalls trägt noch die Inschrift „Iohan Georg Goeltz 1793 Eliesabetha Gölzin“.

In einem der beiden Kellerräume ist heute die Wildkammer untergebracht. Dort wurden die geschossenen Tiere gewogen und aufbewahrt, erläuterte Aßmann. Im rechten Keller befindet sich die Wasserversorgung.

Als 1853 der 62-jährige Besitzer Adam Gölz starb, wollte keines seiner Kinder den Hof übernehmen. Bereits zu dieser Zeit hatte die Abwanderung aus dem Überwald eingesetzt. Ein Jahr später kaufte das Grafenhaus zu Erbach-Erbach den Besitz auf. Immer mehr Gebäude wurden von diesem in den Folgejahren „auf Abbruch“ veräußert, weswegen sich auch in anderen Häusern der Umgebung Material aus Dürr-Ellenbach findet.

Kleinstes Dorf Deutschlands

1928 verkaufte das Fürstenhaus den Besitz an das Land Hessen, 1936 wurde von Aschbach her eine Stromleitung gelegt. Menschliche Besiedlung gibt es außer dem Förster zu dieser Zeit praktisch schon keine mehr.

Auf einer alten Postkarte aus dem Jahr 1921 wurde Dürr-Ellenbach noch als das „kleinste Dorf Deutschlands“ tituliert. Damals wurde im Hof Flaschenbier an Wanderer verkauft, was die Behörde aber später untersagte.

„Die gegenüber liegende große Stallscheuer ist noch im Originalzustand von vor 200 Jahren“, erläutert Aßmann. Da sie unter Denkmalschutz steht, ist die Sanierung nicht einfach. Über dem Türsturz steht die Inschrift „Diesen Bau hatt erbauet Georg Gölz und dessen Ehefrau Elisabätha im Jahr 1812“.

Das neben dem Wohnstallhaus befindliche Backhaus wurde vor kurzer Zeit erst wieder hergerichtet und soll in spe wieder in seiner ursprünglichen Funktion genutzt werden. tom

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