Lindenfels

Justiz Landgericht Darmstadt verurteilt 47-jährigen Odenwälder wegen Stalkings und Fahrens ohne Fahrerlaubnis

Über zwei Jahre Haft und Führerschein weg

Archivartikel

Lautertal/Lindenfels.Zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, vier Monaten und zwei Wochen hat die 6. Strafkammer am Landgericht Darmstadt einen 47-Jährigen aus dem Odenwald verurteilt. Der Urteilsspruch lautete auf Nachstellung (Stalking), gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr, versuchte gefährliche Körperverletzung, Verletzung des „höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen“, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch, Nötigung und unerlaubten Betäubungsmittelbesitz.

Das Gericht ordnete außerdem die Einziehung des Führerscheins des Angeklagten und eine Sperre der Fahrerlaubnis für die nächsten vier Jahre an: „Durch sein massives Verhalten ist er eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer“, so der Vorsitzende Richter Martin Rößler. Der Urteilsverkündung vorausgegangen war ein heftiges Scharmützel zwischen Verteidiger Ulrich Endres, Oberstaatsanwalt Klaus Reinhardt und Nebenklägervertreter Achim Flauaus. Endres bestritt die Rechtmäßigkeit der Nebenklage.

Ursprüngliches Urteil aufgehoben

Für den einschlägig vorbestraften Ex-Hooligan und Fan von Eintracht Frankfurt, dessen Bundeszentralregister mehr als 20 Eintragungen aufweist und der in der Vergangenheit bereits rund 35 000 Euro an Geldstrafen gezahlt hat, hat sich der nunmehr dritte Auftritt vor Gericht in gleicher Sache gelohnt. In erster Instanz wurde der mittlerweile geschiedene Odenwälder vom Amtsgericht in Bensheim im April 2016 zu einer dreijährigen Gesamtfreiheitsstrafe verurteilt. Die Berufungskammer hingegen hielt im September des gleichen Jahres eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten für angemessen. Ein Jahr lang hat der 47-Jährige in Untersuchungshaft gesessen.

Nunmehr gab es eine weitere Strafreduzierung um sechs Monate. Der Grund: Das Oberlandesgericht hatte der Revision des Angeklagten in Ansätzen entsprochen, das Urteil teilweise im Schuldspruch und insgesamt im Strafausspruch aufgehoben und zurück an das Landgericht verwiesen.

Laut OLG-Beschluss ist bereits die Entscheidung des Amtsgerichts betreffs einer Verurteilung wegen Fahrens ohne Führerschein – die auf einem Pauschalgeständnis basierte - fehlerhaft und nicht ausreichend begründet. Die Einzelstrafe für den Besitz von geringen Mengen Drogen wurde ebenfalls als zu hoch empfunden. Um den Prozess Nummer drei nicht weiter in die Länge zu ziehen und erneut in eine zeitaufwendige Beweisaufnahme eintreten zu müssen, stellte die Kammer nunmehr die vom OLG gerügte Straftat auf Antrag der Staatsanwaltschaft ein und ahndete das Drogendelikt entsprechend geringer.

Das Gericht würdigte unter anderem „die Bemühungen des Angeklagten, sich aus seiner angelernten Verhaltensweise zu lösen.“ Gemeint waren verschiedene Therapien und ein Brief, den er wenige Tage vor Prozessbeginn an die Heinrich Metzendorf-Schule in Bensheim gerichtet und darin seine Bereitschaft bekundet hatte, vor Schülern über seinen „dunklen Lebensabschnitt“ und seine Läuterung zu sprechen. Er wolle zur Gewaltfreiheit ermutigen und ein motivierenden Beispiel sein. „Er hat ein völlig neues Leben angefangen und die Ultras von der „Adlerfront“ verlassen“, so sein Anwalt.

„Ein Fall mit einer derartigen Intensität und beispiellosen Aneinanderkettung von Delikten wie dieser ist mir bislang noch nicht untergekommen“, zeigte sich indes der Oberstaatsanwalt geschockt über die Latte an Vorstrafen und das brutale, menschenunwürdige Vorgehen und die Nachstellungen des krankhaft eifersüchtigen Angeklagten, „der aus verletzter Eitelkeit gehandelt hat.“ Nach dessen Geständnis trifft es zu, dass er seiner Ex-Lebensgefährtin und deren neuen Partner das Leben zur Hölle gemacht, das Paar monatelang verfolgt, ausspioniert und bedroht hat. Darüber hinaus hat er nach der Trennung Nacktfotos seiner früheren Freundin im Dorf ausgehängt und in Briefkästen geworfen und ohne deren Wissen sexuelle Kontaktanzeigen geschaltet und zu Sexpartys in die Wohnung des Opfers eingeladen. gs

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