Lindenfels

Erziehung Beratungsstelle des Caritasverbandes Darmstadt in Fürth hat Tipps für Alleinerziehende zusammengestellt

Ausgleich zwischen Wünschen und Pflichten ist wichtig

Archivartikel

Fürth.Von Müttern und Väter wird einiges abverlangt, um Berufs- und Familienleben unter einen Hut zu bekommen. Alleinerziehende stehen dabei vor einer besonders großen Aufgabe.

Diplom-Sozialpädagogin Barbara Hart von der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Caritasverbandes Darmstadt in Fürth schildert, wie Alleinerziehende diese Herausforderungen erfolgreich meistern. Sie beschreibt ein Beispiel aus ihrer täglichen Arbeit. Die Namen sind anonymisiert.

Frau W. suchte mit ihrem zehnjährigen Sohn Tobias die Erziehungsberatung auf. Sie ist seit der Trennung von ihrem Mann vor einem Jahr alleinerziehend. Das Zusammenleben von Mutter und Sohn war geprägt von vielen Auseinandersetzungen.

Die Mutter klagte gegenüber ihrem Sohn: „Du hilfst nie im Haushalt und räumst ewig Dein Zimmer nicht auf.“ Tobias hielt dagegen: „Du hast immer schlechte Laune und nörgelst nur an mir herum. Nichts kann man Dir recht machen.“

Im Laufe des ersten Gesprächs wurde deutlich, dass Frau W. durch Beruf, Haushalt und Familienarbeit sehr beansprucht war und kaum Zeit für sich selbst hatte. Mütter – und auch immer mehr Väter –, die allein erziehen, sind vielen Belastungen ausgesetzt: Sie sind oft neben ihrer Berufstätigkeit ausschließlich für ihre Kinder da, worunter Kontakte zu Freunden und Bekannten leiden;. Es fehlt daher häufig ein ausreichendes soziales Netz.

Hinzu kommen in den meisten Fällen eine angespannte finanzielle Situation und ein damit verbundener niedriger Lebensstandard. Es bestehen kaum Freiräume für persönliche Bedürfnisse wie Sport, Kinobesuche oder Essen gehen.

Umso wichtiger sei es, im Alltag einen für alle Beteiligten akzeptablen Ausgleich zwischen ihren Verpflichtungen einerseits und ihren Wünschen und Bedürfnissen andererseits zu finden, riet Barbara Hart. Kontakte zu Menschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, trügen meist zu einer Entlastung bei. Sei es, dass man sich gegenseitig in der Kinderbetreuung unterstützt oder dass man sich zu gemeinsamen Unternehmungen verabredet – manchmal reicht ein Anruf, um bei anderen ein offenes Ohr für die momentanen Sorgen und Nöte zu finden.

In den folgenden Gesprächen mit der Mutter von Tobias waren Fragen zu klären wie: Wie könnte es gelingen, Freiräume zu schaffen für eigene Interessen? Wo kann man auftanken, um Kraft für den Alltag zu schöpfen? Welche Aufgaben könnte Tobias im Haushalt übernehmen und nach welchen Regeln soll er sein Zimmer aufräumen? Wie kann man mit Tobias umgehen, dass er nicht ständig das Gefühl hat, alles falsch zu machen?

Durch die Beratung angeregt, traf Frau W. mit ihrem Sohn die Vereinbarung, dass dieser künftig sein Zimmer regelmäßig aufräumt und saugt sowie Abwasch und Tischdecken übernimmt. Als hilfreich für die Regelung von Verantwortlichkeiten hat sich bei Familie W. eine wöchentliche Familienkonferenz erwiesen: Mutter und Sohn setzen sich zu einem festen Termin zusammen und besprechen den Verlauf der vergangenen Tage. Das Klima in der Familie habe sich dadurch spürbar gebessert.

Hinzu komme, dass es Frau W. zunehmend besser gelingt, sich selbst etwas zu gönnen. Sie verabrede sich wieder häufiger und singt in einem Chor mit. red

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