Lindenfels

Gebiet „Die Bain“ In Schlierbach sollen neue Wohnhäuser entstehen / Umweltschützer kritisieren den Bebauungsplan

BUND lehnt Bauvorhaben ab

Archivartikel

Lindenfels.Der BUND-Kreisverband Bergstraße lehnt in einer Stellungnahme den Bebauungsplan der Stadt Lindenfels „Die Bain - 2. Abschnitt“ kategorisch ab. Ein Investor plant dort die Erschließung von 20 bis 25 Baugrundstücken, auf denen Einfamilien- und Doppelhäuser entstehen sollen.

Die Lindenfelser Stadtverordnetenversammlung hatte dem Bebauungsplan im Juni zugestimmt. „Was uns überrascht, ist die völlig rücksichtslose und über weite Strecken ausgesprochen unqualifizierte Argumentation im Begründungstext für das Bauvorhaben“, betont jedoch Herwig Winter, BUND-Kreisvorstandssprecher.

Ein Großteil der Planungsfläche sei mit Streuobst bestanden, das nach dem Naturschutzrecht einen besonderen Schutz genieße. Zudem weise der Regionalplan Südhessen 2010 genau an dieser Stelle ein Vorranggebiet für Natur und Landschaft aus. Vorranggebiet für Natur und Landschaft bedeutet, dass jegliche anderweitige Planungsabsichten einer Kommune hinter dem Naturschutz zurückzustehen haben. Das von der Stadt beauftragte Planungsbüro argumentiere jedoch, es sei gar nichts Schützenswertes auf der Fläche vorhanden. Winter: „Diese Aussage ist eine bodenlos unverschämte Anmaßung. Noch bestimmt die Regionalversammlung und nicht ein beliebiges Planungsbüro nach eigenem Gutdünken darüber, welche Ausweisung im Regionalplan rechtsgültig und damit zutreffend ist.“

Vitale Bäume

Das Planungsbüro vertritt ferner die Auffassung, dass das vorhandene Streuobst kein gesetzlich geschütztes Biotop sei, weil die Bäume in Reihe stünden, sehr alt und teilweise abgängig seien. Eine Begehung von BUND-Vertretern vor Ort dagegen habe ergeben, dass alle Bäume vital sind, aber unbedingt einer Pflege bedürfen. „Ob es sich um einen gesetzlich geschützten Streuobstbestand handelt, hat weder etwas mit der Anordnung der Bäume noch mit deren Alter zu tun“, sagt Winter.

Streuobst im Außenbereich ist ein gesetzlich geschütztes Biotop. Die Pflicht der Stadt besteht nach Auffassung des BUND darin, den Vorgaben des Regionalplans gerecht zu werden, indem sie dafür sorgt, dass der Streuobstbestand, der in einem Vorranggebiet für Natur und Landschaft liegt, erhalten, gepflegt und durch Nachpflanzen abgängiger Bäume wiederhergestellt wird. Es bestehe kein Recht, das Streuobstgebiet durch Bebauung auch nur teilweise zu vernichten.

Einen Widerspruch in sich stellen nach Ansicht des BUND die Aussagen des Planungsbüros zum Artenschutz dar. Obwohl das Vorhandensein von Habitatpotenzialen für Vögel und Fledermäuse festgestellt werde, werde die Behauptung aufgestellt, dass auf der Planungsfläche keine nach dem Artenschutzrecht besonders geschützten Arten zu erwarten sind. Auf eine Erfassung der Arten werde deshalb verzichtet.

Von der Stadt Lindenfels erwarte der BUND, dass sie die Aufstellung des Bebauungsplans „Die Bain - 2. Abschnitt“ nicht weiterverfolgt. red

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