Lindenfels

Steinindustrie Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 wurde mithilfe der Reparationszahlungen viel gebaut

Das neue Kaiserreich sorgte für viele Aufträge

Lautertal/Lindenfels.Der Wirtschaftsaufschwung im Deutschen Kaiserreich wurde besonders durch den Deutsch-Französischen Krieg vor 150 Jahren ausgelöst. Ab dem 19. Juli 1870 und bis zum Friedensschluss am 10. Mai 1871 überrannte der Norddeutsche Bund unter Führung von Preußen den Nachbarstaat Frankreich. Hessen, Baden, Württemberg und Bayern hatten sich auf preußischer Seite angeschlossen. Rund drei Millionen Soldaten wurden mobilisiert, rund 183 000 fielen auf beiden Seiten.

Als Folge des Krieges besetzte das jetzt geeinte Deutsche Reich die eisenerzreichen Gebiete Elsass-Lothringens. Als Reparationsleistungen musste Frankreich fünf Milliarden Franc abgeben, die in erster Linie für Infrastrukturmaßnahmen verwendet wurden. Jetzt wurden Brücken und Straßen, öffentliche Gebäude, Kasernen und Aufmarschplätze gebaut. Und dafür brauchte man vor allem Steine.

Diese wurden nun auch im Odenwald gewonnen. Es entstanden Steinbrüche, Steinschleifereien und Steinhauereien in Bensheim (Kreuzer), Schönberg (Althammer), Elmshausen (Kreuzer & Böhringer), Reichenbach (Destag), Beedenkirchen (Böhringer, Grieshammer), Gadernheim und Lindenfels (jeweils Kreuzer & Böhringer). Hinzu kam eine große Zahl kleinerer Familienbetriebe. Die ganze Region wurde dadurch innerhalb kürzester Zeit zum Industriestandort.

Viele der vorher in der Landwirtschaft und dem Handwerk beschäftigten Männer wechselten in die Steinbranche. Der Standort wurde von den Unternehmen nicht nur wegen des Odenwälder Granits gewählt, sondern auch, weil die Löhne und Gehälter in den abgelegenen Tälern deutlich niedriger waren als in den Steinarbeiterzentren. Wer die Marktchancen bis zum Ersten Weltkrieg nutzte, konnte hier innerhalb kurzer Zeit viel Geld verdienen. he

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