Lindenfels

Forstwirtschaft Hitze und Trockenheit schwächen die Bäume / Die Verkehrssicherung erfordert einen großen Aufwand

Dem Lindenfelser Wald geht es schlecht

Archivartikel

Lindenfels.Die Zeiten, in denen der Gemeindewald der Stadt Lindenfels zusätzliche Einnahmen beschert, sind erst einmal vorbei. Wie Ralf Schepp vom Forstamt Lampertheim und Revierförster Dirk Dins in der gemeinsamen Sitzung von Bau- und Finanzausschuss erklärten, weist die Bilanz für 2019 ein Minus von etwa 30 000 Euro auf. „Im nächsten Jahr wird es kaum besser“, kündigte Schepp an. Nach der jetzigen Kalkulation geht er von einem Defizit 17 000 Euro aus.

Das ist sogar noch eine optimistische Annahme. „Wir haben dabei normale Verhältnisse eingeplant. Katastrophen können wir nicht einplanen“, betonte der Forstamtsleiter. Die derzeitigen Verhältnisse seien jedoch alles andere als normal. Wegen Hitze und Trockenheit sind vor allem Fichten, aber auch Buchen so geschwächt, dass sie sich nicht mehr gegen Borkenkäfer und Pilzbefall schützen können. Bei den Maßnahmen, die die Waldarbeiter dieser Tage im Wald verrichten, gehe es nicht mehr um die Ernte für den Holzmarkt, sondern um notwendige Arbeiten, um zu verhindern, das kranke Bäume auf Wege oder Bebauung stürzen. „Bei den Buchen haben wir seit August und September viele Abgänge, unter anderem am Schenkenberg“, führte Schepp aus. Das Problem: Diese Verkehrssicherung erfordert einen hohen Einsatz von Leistungen, die zu großen Teil extern eingekauft werden müssen.

Holzpreise sind im Keller

Hinzu kommt, dass wegen des großen Angebots an Nadelholz auf dem Markt die Preise im Keller sind. Hessen Forst darf nach einer Entscheidung des Landes Hessen eigentlich kein Holz mehr für die Städte und Gemeinden vermarkten. Schadholz ist davon jedoch ausgenommen. Davon fällt so viel an, dass kaum noch gesundes Holz für den Markt übrig bleibt – Hessen Forst verkauft also letztlich weiterhin den größten Teil des Bergsträßer Holzes.

Keine Überschüsse zu erwarten

Derweil laufen die Planungen mehrerer Kommunen – Lindenfels ist darunter – für eine gemeinsame Organisation des Holzverkaufs. Mehr Holz einzuschlagen ist keine Option, da die Hiebsätze, die in der Zehn-Jahres-Planung für die Revierförsterei festgelegt sind, bereits in der Vergangenheit überschritten wurden. Dies kann erst 2021 ausgeglichen werden.

Eine gewisse Entlastung könnte es vom Land Hessen geben, das den Kommunen wegen der Extremwetterverhältnisse unter anderem für die gefällten Buchen Geld zuschießt. „Wir werden versuchen, über die Forstbetriebsgemeinschaft diese Mittel zu bekommen“, sagte Schepp.

Wie in der Sitzung deutlich wurde, muss Lindenfels entscheiden, ob es Geld in die Hand nimmt, um den Wald durch Aufforstung wieder gesund zu pflegen. „Überschüsse von 25 000 Euro sind in den nächsten Jahren nicht drin“, bedauerte Schepp. Die Stadt steht mit den Problemen bei weitem nicht alleine da. Es gebe einige Privatwaldbesitzer in Hessen, die entschieden haben, ihre Gebiete an das Land zu verkaufen, sagte Schepp. Bei Gemeindewäldern sei dies bisher nicht der Fall.

Die beiden Ausschüsse stimmten letztlich mehrheitlich für den Waldwirtschaftsplan. Die Stadtverordnetenversammlung wird heute Abend in ihrer Sitzung im Bürgerhaus darüber beraten. kbw

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