Lindenfels

Gewerbegebiet Im Gehren Kreis-Umweltdezernent Karsten Krug sprach mit Gegnern des Bauprojekts am Rande Kolmbachs / Er erwartet, dass die Entdeckung des Ameisenbläulings berücksichtigt wird

Der Schmetterling und die Bauschutt-Anlage

Kolmbach.Nasskaltes Wetter begleitet die Ortstermine an dem angestrebten Standort eines Betriebshofs mit Bauschutt-Anlage zwischen Kolmbach und Gadernheim mit einer gewissen Regelmäßigkeit. Beim Besuch des Kreisbeigeordneten Karsten Krug (SPD) auf Einladung der beiden Bürgerinitiativen, die das Projekt verhindern wollten, herrschten diese Woche unwirtliche Temperaturen, gegen Ende der Zusammenkunft fing es an zu nieseln. Ähnlich hatte sich das Wetter im Juli beim Besuch des Petitionsausschusses an selber Stelle gezeigt: Da regnete es Bindfäden. Gemeinsam hatten beide Termine auch, dass die äußeren Bedingungen die Anwohner nicht davon abhielten, zahlreich zu erscheinen und ihren Unmut kundzutun.

Seit einiger Zeit gehört ein Schmetterling zu ihren Hoffnungsträgern. Das kürzlich nachgewiesene Vorkommen des als schützenswert eingestuften Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings im Gewerbegebiet im Gehren, so die Hoffnung, könnte die Behörden dazu bringen, das Projekt nicht zu genehmigen, das den Anwohnern so viele schlaflose Nächte bereitet – und das, so ihre Befürchtung, sie auch tagsüber ihrer Ruhe berauben wird, wenn dort lautstark Baumaterialien zerkleinert werden.

Das Auftauchen des flatternden Insekts war für die Vertreter der Bürgerinitiativen in Kolmbach und dem benachbarten Gadernheim einer der Anlässe, den Kreisbeigeordneten Krug um einen Besuch an dem möglichen Bauplatz zu bitten. „Ich bin in erster Linie da, um Ihnen zuzuhören und das eine oder andere mitzunehmen“, sagte der Landratskandidat. Er betonte aber auch, dass er in seiner jetzigen Position nur teilweise zuständig sei. Vorgänge zu gewerblichen Bauten wie diesem gingen in der Regel nicht über seinen Tisch, sondern über den von Landrat Christian Engelhardt. Allerdings ist Krug auch Umweltdezernent – und somit in Sachen Ameisenbläuling der richtige Ansprechpartner. Engelhardt hat bisher keine Einladungen der beiden Bürgerinitiativen angenommen.

Zwar hat auch der Kreis Bergstraße ein Wort darüber mitzureden, ob die Anlage gebaut werden darf. Das letzte Wort hat aber das Regierungspräsidium Darmstadt. An dieser Stelle könnte aber der Ameisenbläuling ins Spiel kommen. „Meine Erwartungshaltung ist, dass die neue naturschutzrechtliche Situation berücksichtigt wird“, betonte der Kreisbeigeordnete.

Regierungspräsidium entscheidet

Vonseiten des Antragstellers, eines ortsansässigen Unternehmers, lägen noch nicht alle Unterlagen vor, erläuterte Krug den Stand der Dinge. Wenn alles da sei, werde sich der Kreis dazu positionieren. Das Regierungspräsidium habe aber die Möglichkeit, sich über die Position des Kreises hinwegzusetzen.

Das Vertrauen vieler Vertreter der Bürgerinitiative ins Regierungspräsidium ist überschaubar, viele von ihnen haben den Eindruck, die Behörde wolle dem Investor unbedingt den Bau der Anlage ermöglichen. Krug versuchte zu beschwichtigen. Entscheidend sei die Rechtslage. Und auch der Investor habe Ansprüche. Der kann sich auf Gutachten zum Schallschutz und zum Artenschutz stützen, wobei darin der Schmetterling noch nicht berücksichtigt ist.

Einige sehen den Ameisenbläuling als „Krücke“ im Bemühen darum, die Bauschutt-Anlage zu verhindern. Nur der Eigentümer des Gewerbegrundstücks, so fürchten sie, könnte das Projekt an dieser Stelle stoppen, indem er nicht verkauft. „Dieses Kind ist in den Brunnen gefallen“, sagte Krug. Das Grundstück gehört der Stadt Lindenfels. Die Stadtverordnetenversammlung hat in zwei Beschlüssen mehrheitlich entschieden, die Fläche an den Unternehmer zu verkaufen. Das soll aber erst in Kraft treten, wenn das Regierungspräsidium den Bau genehmigt hat.

Neben dem Schmetterling führen die Anwohner noch andere Argumente gegen die Bauschutt-Anlage ins Feld. Peter Bünau, Ortsvorsteher von Gadernheim, sieht eine Gefahrenstelle auf der Bundesstraße 47, wenn das Gelände wie geplant von einer neun Meter hohen Mauer eingegrenzt wird, die die Sicht auf ausfahrende Lastwagen versperren könnte.

Deshalb hat die Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil gefordert, dass das Gelände 15 Meter von der Bundesstraße entfernt stehen soll – und damit auch höher als bisher geplant. Aus der Sicht der Kritiker würden sich damit aber völlig neue Voraussetzungen ergeben, möglicherweise auch auf den Schall, der vom Gelände in die Wohnbebauung dringen würde. Die Bauleitplanung müsse angepasst werden, fordern sie.

Lärm an mehr als 20 Tagen?

Geplant ist, dass die Brecheranlage an 20 Tagen pro Jahr im Einsatz sein soll. Die Befürchtung ist aber, dass der Lärmpegel auch dann hoch ist, wenn sie nicht arbeitet. Wenn die Baumaterialien für die Behandlung vorbereitet werden, sei das möglicherweise ebenso laut wie die Anlage selbst.

Auch die Frage, ob Material aus dem Bauhof das Abwasser belasten könnte, treibt die Gadernheimer und Kolmbacher um. Die Stadtverwaltung hatte darauf verwiesen, dass das Wasser vom Gelände nicht eins zu eins in den Kanal geleitet werden soll, es finde eine Vorbehandlung statt.

Die Kritiker überzeugt das nicht. „Es ist einfach noch so vieles ungeklärt“, sagte Bünau. Krug kündigte an, die Kritiker sofern es in seiner Macht steht, zu unterstützen und dabei unter anderem den Aspekt des Lärms, der auch ohne die Brecheranlage entstehen könnte, zur Sprache zu bringen.

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