Lindenfels

Geopark-vor-Ort Annelie Szych entführt Zuhörer in die Welt der weihnachtlichen Gewürze

Der spezielle Duft der Adventszeit

Archivartikel

Odenwald.Gewürze, oder auch „Spezereien“, waren schon immer etwas Besonderes, etwas nicht Alltägliches, manchmal auch etwas Teures. Noch immer wird dieses Wort vor allem im österreichischen Raum in diesem Zusammenhang verwendet; ursprünglich stammt der Begriff aber aus dem Gewürzhandel.

Im Gegensatz zur heutigen Zeit, in der diese in jedem Supermarkt in Hülle und Fülle erhältlich sind, waren sie früher teilweise so kostbar, dass sie mit Gold aufgewogen wurden. „So mancher römische Soldat bekam seinen Sold in Form von Salz ausbezahlt“, erklärte Annelie Szych vom Geopark-vor-Ort-Team im Forsthaus Almen nahe Weschnitz. Bei einem Vortrag unter dem Motto „Orientalische Schätze in der heimischen Teigschüssel“ entführte sie ihre Zuhörer in die weihnachtliche Welt der Gewürze.

Teure Heilmittel

Der deutsche Begriff „Gewürz“ leite sich, unschwer zu erkennen, vom Wort „Wurz“ ab, erläuterte sie. Alle Teile von Pflanzen, seien es Samen, Rinde, Blüten oder eben die Wurzeln– getrocknet oder frisch – gehören dazu. Früher gab es Gewürze meist in Apotheken zu kaufen, nicht jeder konnte sich das leisten. Zum Einsatz kamen sie nicht nur in der Kulinarik, vielmehr dienten viele Gewürze als Heilmittel. Sie waren sehr teuer, um nicht zu sagen „speziell“ – wo sich der Kreis zur englischen Bezeichnung für Gewürze, „Spices“ und zu den „Spezereien“ schließt.

Der Duft von Weihnachten ist charakteristisch geprägt von unterschiedlichen Gewürzen: Nelken, Zimt, Anis, Kardamom und Pfeffer dürfen in keiner Weihnachtsbäckerei fehlen. Auch der Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt wäre ohne sie nur heißer Rotwein.

Gingerbread und Pain d’épices

Neben vielen Informationen rund um den Geschmack und die Herkunftsländer von weihnachtlichen Gewürzen wie Piment – vielen auch bekannt als Nelkenpfeffer – hatten Szych und Anna Schote aus Weschnitz eine große Kaffeetafel vorbereitet, auf der unterschiedliche traditionelle Advents- und Weihnachtsgebäcke anderer Länder zur Verkostung bereitstanden. Dazu erklärte sie, wie in anderen Teilen der Welt das Weihnachtsfest gefeiert wird. Auch die regionalen Gebräuche rund um die Weihnachtszeit und zwischen den Jahren kamen nicht zu kurz.

Alle Gebäcke hatte Szych in den Tagen vor dem Vortrag selbst gebacken. „Bei vielen dieser Rezepte wird empfohlen, die Gebäcke einige Tage ruhen zu lassen. Dann entfalten sie erst ihren Geschmack“, erklärte sie. Das Gingerbread ist beispielsweise eine traditionell amerikanische Leckerei, die an den Feiertagen nicht fehlen darf. Wie der Name bereits vermuten lässt, ist eine wichtige Zutat dafür der Ingwer, der dem Gebäck seinen würzigen Geschmack verleiht.

In Frankreich gibt es Pain d’épices. Dessen Name klingt nicht nur schön, auch geschmacklich fand es bei den Zuhörern großen Zuspruch. Bread und Pain ähnelten in Zutaten und Geschmack dem deutschen Lebkuchen. Englisches Früchtebrot, slawischer Mohnstollen und italienischer „Panettone“ – ein, zumindest von der Konsistenz her, leichtes Hefegebäck – rundeten die Kaffeetafel zusammen mit Plätzchentellern ab.

Zu wohl einem der traditionsreichsten deutschen Weihnachtsgebäcke zählt der Lebkuchen. Es gibt ihn in zahlreichen, regionaltypischen Varianten und unter ebenso vielen Namen: Nürnberger Lebkuchen, Thorner Kathrinchen, Aachener Printen oder Pfefferkuchen.

Im Osten Deutschlands gab es sogar noch bis vor etwa 30 Jahren den Ausbildungsberuf des „Pfefferküchners“. Dieser beschäftigte sich, anders als seine Kollegen vom Bäckerhandwerk, ausschließlich mit Lebkuchen. Noch bis vor etwa 100 Jahren galt der Advent als eine Zeit des Fastens. Der lange haltbare und nahrhafte Lebkuchen war jedoch erlaubt.

„In den Odenwald kam der Lebkuchen wohl etwa um 1700“, erklärte Szych. Händler aus dem Gersprenztal brachten ihn womöglich aus Walldürn mit. Eine andere Geschichte besagt, er sei von französischen Besatzern über den Rhein nach Deutschland gekommen. Früher brachten im Odenwald die „Lebkuchenfrauen“ die Lebkuchen in großen Körben, die sie auf ihren Köpfen balancierten, in die Häuser, um sie dort zu verkaufen.

Gefertigt wurden die Lebkuchen früher häufig als „Gebildbrote“: Pferdchen, Hähne oder Herzen wurden mit Malereien oder Sprüchen verziert. Ein Beispiel: „Lieben und nicht beisammen sein ist härter als ein Felsenstein.“ ame

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel