Lindenfels

Kommunalpolitik Lindenfelser Sozialdemokraten bestätigten bei ihrer Hauptversammlung in Winterkasten Jochen Terporten als ihren Vorsitzenden

Freibad: SPD will freien Eintritt für Schüler

Lindenfels/Winterkasten.Jochen Terporten bleibt Vorsitzender der SPD Lindenfels. Am Freitag wurde der Ortsvorsteher des Stadtteils Seidenbuch mit 17 Jastimmen bei zwei Gegenstimmen in seinem Amt bestätigt. Terporten, Jahrgang 1953, ist seit Dezember 2016 an der Spitze des Ortsvereins.

Sei Stellvertreter bleibt Jens Grube bei nur einer Neinstimme, Rechner Uwe Wamser wurde einstimmig wiedergewählt. In Abwesenheit hat die Mitgliederversammlung beim Treffen im Gasthaus „Zum Raupenstein“ Jürgen Kaempf erneut zum Schriftführer gemacht. Beisitzer sind Heiko Schmidt, Beate Gammelin, Norbert Grosch und Ulla Raebiger sowie – neu dabei – das Jungmitglied Nils Vonderheid (18), der vor einem Jahr in die SPD eingetreten ist und im Ortsverein auch eine Brücke zu den Jusos schlagen soll.

Einstimmung auf Europawahl

In seinem Bericht lobte Terporten die Zusammenarbeit mit Bürgermeister Michael Helbig, der mit einer „soliden Sachpolitik“ wesentlich dazu beigetragen habe, dass es mit Lindenfels langsam wieder aufwärts gehe. Das Wahlergebnis von über 85 Prozent im Oktober habe gezeigt, dass Helbigs Arbeit vom Wähler honoriert werde, so der Vorsitzende in Winterkasten. Die Fraktion und die Stadtverordneten der SPD hätten die Stadt kontinuierlich aus dem „Tal der Tränen“ herausgeführt. Durch die Entlassung aus dem Rettungsschirm sehe Lindenfels nun einen neu gewonnenen Freiraum, in dem die Stadt und ihre sieben Ortsteile jetzt wieder unter Eigenregie ihre Zukunft gestalten könnten.

Ein besonderer Dank ging an die Gremien, die sich vor Ort – häufig im Schulterschluss mit Feuerwehren und vereinen – um diverse Erneuerungs- und Renovierungsarbeiten kümmern und damit nicht nur das soziale und kulturelle Gemeinwesen stärken, sondern auch den Haushalt entlasten.

Mit Blick auf die nahende Europawahl (26. Mai) betonte Jochen Terporten die tiefe Verankerung der Sozialdemokraten in der europäischen Idee. Man lasse sich die Erfolge von mehr als 70 Jahren nicht kaputtmachen, sagte der Vorsitzende. Es gelte nun, die freiheitlich-demokratischen Grundwerte zu erhalten und weiter zu festigen.

Auf lokaler Ebene plädiert Terporten für einen gebührenfreien Eintritt ins Lindenfelser Freibad für Schüler aus dem Ort und aus benachbarten Kommunen, die an einem Schwimmunterricht teilnehmen. Die Fraktion werde einen entsprechenden Antrag stellen, kündigte daraufhin der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Ingo Thaidigsmann an. Auch Bürgermeister Michael Helbig begrüßte den Vorstoß.

„Immer mehr Kinder und Jugendliche können nicht schwimmen. Die Zahl der Ertrunkenen ist laut DLRG stark gestiegen“, zitierte Terporten aus einem Artikel dieser Zeitung vom 22. Februar. Als Vorsitzender des Fördervereins Lindenfelser Schwimmbad ist Terporten nah am Thema. „Dieser Antrag ist mir ganz besonders wichtig“, betonte er gegenüber unserer Zeitung.

Anlässlich des Weltfrauentags am Freitag hatte er für jede Dame eine rote Rose mitgebracht. An der Einführung des Frauenwahlrechts vor 100 Jahren hätten Sozialdemokratinnen maßgeblichen Anteil gehabt.

Sorge um das MVZ

Weniger durch die Blume, sondern in unverblümter Offenheit kritisierte Ingo Thaidigsmann die LWG/CDU-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung. Ihr mangele es an innerer Geschlossenheit und politischer Einheit. „Das erzeugt ein politisches Vakuum, das der Stadt schadet.“ Im Gegensatz dazu arbeite die SPD „gut und geräuschlos“, auch bei strittigen Themen würde man nach gemeinsamen Lösungen suchen und nach außen geschlossenen auftreten, so Thaidigsmann weiter. Auch er würdigte die Arbeit des Bürgermeisters, wenngleich man bei manchen Fragen – etwa der Personalsituation im Rathaus – nicht immer einer Meinung sei.

Mit Sorge beobachtet Thaidigsmann das Erstarken rechter und rechtspopulistischer Parteien in der Stadt. Bei der Bundestagswahl 2017 hatten sie in Lindenfels besonders stark abgeschnitten. Im Wahlbezirk Glattbach hatten fast 25 Prozent aller Wähler ihre Zweitstimme der AfD gegeben – einen höheren Anteil gab es nirgendwo sonst im Kreis Bergstraße. Insgesamt machten 16,3 Prozent der Wähler in der Burgstadt ihr zweites Kreuz bei der Partei - auch das war Kreisrekord. Diese Entwicklung sei eine der großen Unbekannten im Wahlkampf zur Kommunalwahl 2021.

Beim Thema Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) bestätigte Ingo Thaidigsmann den jüngst artikulierten Eindruck von CDU-Mann Kurt Höbel, die Kreisspitze verhalte sich in Sachen MVZ „interessenlos“. Seit April 2017 ist die Einrichtung in einer kleinen Praxis in der Nibelungenstraße untergebracht. Von Anfang an war vorgesehen, dass dies nur eine Übergangslösung darstellen sollte, bis ein endgültiger Standort gefunden wurde. Getan habe sich jedoch bisher nichts. „Die Situation ist nicht befriedigend“, so der SPD-Fraktionsvize. „Wir hängen in der Luft.“ Auch die häufigen Personalwechsel im MVZ seien kein Vertrauensbeweis.

SPD-Senior und Erster Stadtrat Otto Schneider mahnte zu weniger Panik. „Wir sollten die Lage nicht zu sehr dramatisieren.“ Durch zwei Abgänge, darunter der Abschied des Ärztlichen Leiters Karl Andreas Berg in den Ruhestand, sei Bewegung in der Personalsituation. Das MVZ sei dadurch aber nicht gefährdet.

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