Lindenfels

Gemeindeentwicklung Für Bürgermeister Volker Oehlenschläger haben innerörtliche Flächen Priorität

Fürth hat mitten im Ort noch viel Potenzial

Archivartikel

Fürth.Am unteren Ende der Fürther Bahnhofstraße erschließt sich dem Betrachter derzeit ein völlig neues Bild: Knapp vier Jahre nach dem verheerenden Brand eines Geschäftsgebäudes verschwindet die Ruine und gibt den Blick frei auf ein seither verborgenes Areal im Herzen der Gemeinde. „Eine ideale Fläche für eine Innenentwicklung“, hat Fürths Bürgermeister Volker Oehlenschläger erkannt. In der Tat gibt es zwischen der Bahnhofstraße und der B 38 jede Menge Platz, der sich allerdings in – unterschiedlichem – Privatbesitz befindet.

Aus diesem Grund kann und will die Gemeinde hier nicht direkt aktiv werden. Und auch eine Bauleitplanung für dieses Areal existiert (noch) nicht. „Es wäre aber interessant, einmal ein Gesamtkonzept zu erstellen, wie es dort idealerweise aussehen könnte, um dann zu prüfen, was sich davon umsetzen lässt“, sagt Oehlenschläger im Gespräch mit unserer Lokalredaktion.

Denn es ist gerade diese Entwicklung von Flächen im Innern der Gemeinde, die dem Bürgermeister ebenso wie den gemeindlichen Gremien und der Verwaltung am Herzen liegt. „Das ist auf jeden Fall besser, als neue Baugebiete im Außenbereich auszuweisen“, weiß Oehlenschläger. Bedarf ist vorhanden, denn im Gegensatz zu den Prognosen vergangener Jahre schrumpft die Gemeinde nicht.

Hohe Geburtenzahlen

Die Bevölkerungszahl (derzeit rund 10 800 Menschen) ist stabil – die Tendenz eher steigend. Ein Blick auf die unlängst veröffentlichte Geburtenstatistik genügt: 2017 gab es 120 Babys in Fürth, 2018 waren es 94 – „die höchste Rate seit vielen Jahren“, ordnet der Bürgermeister diese Zahlen ein.

Da müssen natürlich auch die Betreuungseinrichtungen entsprechende konzipiert sein. „Durch die Schaffung von zwei neuen Kindergartengruppen in Krumbach und Fahrenbach ist der akute Druck erst mal weg“, berichtet Oehlenschläger. Aber die geburtenstarken Jahrgänge kommen ja erst noch – zunächst einmal in die Kröckelbacher Kinderkrippe. Eventuell muss diese aufgestockt werden. „Die Kinderbetreuung ist jedenfalls der Bereich, in den die Gemeinde das meiste Geld investiert“, sagt der Bürgermeister.

Er glaubt zu wissen, warum auch immer mehr Menschen von außerhalb nach Fürth ziehen: „Wir leben da, wo was abgeht.´“ Gemeint ist die Lage direkt zwischen zwei boomenden Metropolregionen, die von der Bertelsmannstiftung bereits einmal als das „Kraftzentrum Deutschlands“ betitelt worden sind. Geschäfts-, Industrie- und Forschungseinrichtungen bündeln sich zwischen dem Main und dem Neckar. Und mittendrin: das Weschnitztal mit seinen landschaftlichen Reizen und seiner Infrastruktur als attraktiver Wohnort.

Nachfrage an Wohnraum

Um der Nachfrage gerecht zu werden, ist zuletzt die Planung eines Wohngebietes auf dem ehemaligen FC-Sportplatz in die Wege geleitet worden. Und auch weitere innerörtliche Baulücken sollen geschlossen werden.

„Auch vor meinem Küchenfenster in Kröckelbach entstehen gerade zwei neue Wohnhäuser“, merkt Oehlenschläger an. Und will damit sagen: Jeder Bürger muss auch damit leben, dass sich sein persönliches Umfeld verändern kann.

Denn Bauvorhaben bleiben heutzutage selten unwidersprochen. Auch zu den Planungen auf dem FC-Platz gab es einige kritische Stimmen, „und einiges davon ist in den konkreten Planungen auch berücksichtigt worden“, verdeutlicht der Verwaltungschef, dass im Dialog auch Verbesserungen erzielt werden können.

„Aufreger“ Flutgraben

Darauf hofft er auch in Bezug auf den aktuellen „Aufreger“ in Fürth – dem möglichen Bau von Parkplätzen und einem Vereinsheim im südöstlichen Bereich vor der zentralen Sportanlage, dem so genannten „Flutgraben“. Eine Unterschriftenliste gegen dieses Projekt ist der Gemeinde bereits übergeben worden. „Dass die Anwohner dort sich Gedanken machen, ist legitim“, sagt Oehlenschläger. „Aber dort soll ja keine Partyzone entstehen, das ist klar abgesprochen“, fügt er an.

Der Bau des Vereinsheims soll dem FC Fürth in diesem Bereich – auf einem Gelände der Gemeinde – ermöglicht werden. „Der Verein wünscht sich eine Heimstätte in der Nähe des Stadions“, erklärt der Bürgermeister. Das Clubhaus am alten Sportplatz fällt im Zuge der dortigen Bebauung weg.

Die geplanten Parkplätze sollen den Sportlern zur Verfügung stehen und vor allem an Sonntagen die Situation in der Schulstraße entschärfen. Dort wird es immer wieder sehr eng, wenn sowohl im Stadion als auch in der angrenzenden Schulsporthalle Spielbetrieb ist.

Klare Vorgaben

Auf der Unterschriftenliste gegen dieses Projekt haben sich auch Menschen von außerhalb verewigt. „Denen geht es wohl um die Flächenversiegelung“, spekuliert Oehlenschläger. Er selbst glaubt aber, dass ein entsprechend bepflanztes und begrüntes Parkplatz- und Vereinsgelände „ökologisch wertvoller sein kann, als das jetzige Maisfeld“.

Aktuell befindet sich das Projekt in der so genannten „frühzeitigen Beteiligung“. Ein Gespräch des Gemeindevorstandes mit dem Planer steht aus. „Wir mussten dieses auf nach den Ferien verschieben, da zuvor einige Beigeordnete aufgrund von Krankheit, Urlaub oder anderen Verpflichtungen verhindert waren. Es handelt sich eben um Ehrenamtliche, die sich hier um die Geschicke der Gemeinde und aller ihrer Bürger kümmern“, erklärt der Bürgermeister.

Wichtig ist ihm zu erwähnen, dass die Gemeinde als Grundstückseigner und durch die Bauleitplanung sehr genau festlegen kann, was dort baulich möglich ist – „in enger Absprache mit dem Verein“. Eine unverhältnismäßige Belastung für die nahen Wohngebiete soll dadurch von vorneherein ausgeschlossen werden. arn

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel