Lindenfels

Polizei Eine verbreitete Masche von Betrügern ist der Enkeltrick

Ganoven versuchen es oft bei Menschen mit alten Vornamen

Lindenfels.Ein häufiges Kriminalitätsphänomen ist der seit vielen Jahren immer wieder von Betrügern angewandte sogenannte Enkeltrick. Dabei haben die Täter es auf ältere Menschen abgesehen, die sie mit der Suche nach aus der Mode gekommenen Vornamen aus dem Telefonbuch meist während des Tages unter der Woche wahllos abtelefonieren.

An manchen Tagen erhält die Polizei Kenntnis von zig Anrufen dieser Art in einem Bezirk mit gleicher Vorwahl. Der Angerufene wird von dem Betrüger meist im Unklaren gelassen, wer am Telefon ist. Wen er glaubt, erkannt zu haben, dessen „Rolle“ nimmt der mit allen „Drehbüchern“ vertraute Betrüger dann ein. Das kann etwa der Enkel, der Neffe oder die Nichte sein.

Oft mehrere Täter

Schnell kommt der Anrufer zum Punkt: Er braucht Geld. Und das möglichst schnell. Sei es für einen Autokauf oder eine andere größere Anschaffung. Natürlich nur für ein paar Tage leihweise. Oft muss das Geld erst bei der Bank geholt werden. Daher erfolgen die Anrufe auch an Werktagen.

Die skrupellosen Betrüger haben sogar schon gehbehinderte Senioren mit einem von ihnen bestellten Taxi zur Bank bringen lassen. „Leider“ kann der „Enkel“ nicht selbst kommen, um das Geld abzuholen. Stattdessen schickt er einen Boten, der meist schon in der Nähe des Hauses in Wartestellung ist. Ist das Geld erst übergeben, ist es meist verloren. „Alleine in Hessen entstand so im vergangenen Jahr ein angezeigter Schaden von rund zwei Millionen Euro“, macht Polizeihauptkommissarin Christel Shelton beim Vortrag im Bürgerhaus den Zuhörern die Dimension dieser Taten klar. Auch hier dürfe es eine hohe Dunkelziffer geben. „Reden Sie mit anderen Menschen, insbesondere Ihren Angehörigen. Übergeben Sie niemals Geld an Fremde aufgrund eines Anrufs. Beraten Sie sich mit einer von Ihnen kontaktierten Vertrauensperson. Auch ein Anruf bei der Polizei kann Klärung bringen, was hinter dem Anruf steckt“, rät sie.

Es gebe noch eine Vielzahl von Tricks und Belästigungen, denen meist ältere Menschen ausgesetzt sind. Dazu zähle das Sammeln von Spenden, der Verkauf minderwertiger Waren, der Handwerker, der das Dach reparieren möchte oder Kolonnen, die den Hof pflastern wollen. Auch Gewinnspiele und Meinungsumfragen können zum Ärgernis werden. Grundsätzlich lasse sich sagen: „Lassen Sie die Finger davon.“ Unterschriften an der Haustür und leichtsinnige Auskünfte am Telefon können teuer werden. „Lassen Sie nie Fremde in Ihre Wohnung. Nutzen Sie Schließketten, um den Zugang von Fremden zu unmöglich zu machen“, lauteten weitere Tipps. Sind Kriminelle erst einmal in der Wohnung, sind ihnen ältere Menschen meist hilflos ausgeliefert.

Auch ein vorgezeigter Ausweis biete keine absolute Sicherheit. „Wer weiß zum Beispiel schon, wie ein Polizeidienstausweis aussieht und auf was dabei zu achten ist?“, lässt sie ihren Ausweis zur Ansicht durch die Reihen gehen. „Rufen Sie besser bei Ihrer Polizeidienststelle oder bei Handwerkern, Wasser- oder Gasablesern bei Ihrer Hausverwaltung an, um sich zu erkundigen“´, rat sie. Personen sollten vor der geschlossenen Tür warten. Seriöse Personen hätten Verständnis dafür. Trickdiebe würden nicht warten und das Weite suchen. fd

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