Lindenfels

Chorleiter Der 24-jährige widmet seine Freizeit seit frühester Jugend der Welt der Klänge / Seit September 2019 ist er Chorleiter des Männergesangvereins Liederkranz Seidenbuch

Junger Musiker mit Vorliebe für traditionelle Lieder

Seidenbuch.Der im Schnitt wohl älteste Chor von Lindenfels und Lautertal hat den jüngsten Chorleiter: Der 24-jährige Sebastian Steinmetz aus Wald-Erlenbach leitet den Männergesangverein Liederkranz Seidenbuch seit September des vergangenen Jahres. Im Rahmen der Serie über die Dirigenten aus den beiden Gemeinden stellt ihn diese Zeitung heute vor.

Steinmetz‘ Hobby ist die Musik, so lange er zurückdenken kann. Schon im Vorschulalter übte er in der Musikschule Mörlenbach. Ob die Initiative dazu eher von den Eltern ausging oder ob es sein eigener Wunsch war, weiß er heute nicht mehr. „Auf jeden Fall hat es von Anfang an Spaß gemacht“, sagt er, und die Eltern hätten ihn nicht drängen müssen.

Ab acht Jahren Tenorhorn erlernt

Bereits im Alter von acht Jahren erlernte der kleine Sebastian das Spielen des Tenorhorns, das sein Vater Hans-Dieter in der Original Odenwälder Trachtenkapelle des Fürther Ortsteils Linnenbach blies. Auch Mutter Anita war dort in der Tanzgruppe aktiv. Da lag es nahe, dass der Sprössling mit zu den Proben kam und dem von Martina Heimes geleiteten Ensemble bis heute treu geblieben ist. Inzwischen bläst er in der Jugendgruppe auch die Posaune. Im Steinmetz‘schen Musikzimmer wartet außerdem ein Kontrabass auf seinen Einsatz.

Rasch war die Instrumentalmusik dem jungen Mann nicht mehr genug. Die Überraschung beim Sängerkreis der Kulturgemeinde Wald-Erlenbach und Chorleiterin Beate Crisand war groß, als der damals 14-jährige Sebastian zusammen mit einem gleichaltrigen Freund unangemeldet in der Singstunde aufkreuzte. Doch auch die beiden jungen Sänger konnten nicht verhindern dass der Chor 2016 die Singtätigkeit mangels Nachwuchses einstellen musste. Steinmetz wollte weiter singen und schloss sich 2015 dem Sängerquartett Mittershausen-Scheuerberg an, wo der im Frühjahr 2019 verstorbene Alfred Müller den Taktstock schwang.

Hoffnung auf das Ende der Krise

Neun junge Leute aus dem Chor, sechs Frauen und drei Männer, schlossen sich zu einem weiteren Chor unter dem Dach des Sängerquartetts zusammen. Sebastian Steinmetz war einer von ihnen und wurde unversehens zum Leiter der A-Capella-Formation ernannt: „Du kannst Klavier spielen, Du kannst Noten lesen. Du zählst an“.

Die Suche nach einem Namen für die Gruppe war schnell beendet: Der Blick fiel auf die Notensammlung „Unbekannte Interpreten“, und schon hatte die Formation ihren Namen. Volker Schneider, der in Mittershausen gerade die Chorleitung von Alfred Müller übernommen hatte, blieb das Talent von Sebastian Steinmetz nicht verborgen. Er wurde zu seinem Mentor und machte ihn zum Vize-Chorleiter von Männer-, Frauen- und gemischtem Chor.

Wenige Jahre später riss der frühe Tod des langjährigen Dirigenten Alfred Müller beim Liederkranz Seidenbuch eine große Lücke. Es war wohl Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet bei Müllers Beerdigung sein Nachfolger gefunden wurde. Die Chöre aus Mittershausen-Scheuerberg und Seidenbuch sangen gemeinsam zu Ehren des verstorbenen musikalischen Leiters.

Die Seidenbucher wurden auf den Vizechorleiter des anderen Chors aufmerksam. Kurzerhand wurde Steinmetz zu einer Schnupper-Singstunde auf die Glashütt‘ eingeladen. Anschließend brauchte es keine langen Verhandlungen, bis der Vorsitzende Günter Rettig mit dem Mann aus Wald-Erlenbach einig wurde und ihn als Dirigenten verpflichtete. Einen neuen Sänger bekamen die Seidenbucher gleich mit dazu, denn Vater Klaus-Dieter fährt nun regelmäßig mit dem Junior zur Singstunde in den Lindenfelser Stadtteil.

Dennoch ist die Personaldecke mit 14 Aktiven beim Liederkranz dünn. Daher entschloss man sich zu einer Kooperation mit dem von Johann Leber geleiteten Sängerbund Kolmbach. Einmal pro Monat wurde bis zur Corona-Zwangspause gemeinsam geprobt, immer abwechselnd in Seidenbuch und Kolmbach. Geleitet wurde die Probe vom Dirigenten des gastgebenden Chors.

Die Zusammenarbeit ermöglichte beiden Chören Auftritte in stattlicher Stärke, zum Beispiel beim Weihnachtskonzert 2019 in Kolmbach. Doch seit Beginn der Corona-Pandemie haben beide Chöre, ihr Durchschnittsalter liegt deutlich über 60, nicht wieder geprobt. Steinmetz hofft nun, dass die Zwangspause bald zu Ende geht. Er wünscht sich, auch junge Männer für das traditionelle Liedgut der Gattung Männerchor zu begeistern und bedauert es ein wenig, dass dieses Stücke von den meisten jungen Chören nicht mehr gesungen werden und mit der Zeit verlorengehen könnten.

Derzeit bereitet der junge Dirigent den nächsten Schritt in seiner Musikerlaufbahn vor: Er verbringt seine Wochenenden zum großen Teil in Frankfurt am Main, um sich dort im Dr. Hoch’s Konservatorium auch formal zum Chorleiter ausbilden zu lassen.

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