Lindenfels

Demenzhilfe Netzwerk soll bis 2020 aufgebaut werden

Kranke und ihre Angehörigen aus der Isolation holen

Weschnitztal.Im Café Pause des Diakonischen Werks in Rimbach trafen sich auf Initiative von Seniorenberaterin Heike Ellen Weizel über 15 Fachkräfte und Privatpersonen, um ein Netzwerk Demenz und Prävention Weschnitztal aufzubauen. Das Netzwerk soll allen von Demenz Betroffenen helfen - den Angehörigen, die den Kranken zu Hause pflegen und auch den Fachkräften durch Informationen wie "Wo ist der nächste Facharzt, der die Diagnose stellen kann?".

In Rimbach gibt es eine Ergotherapeutin, die mit einer Wohnanalyse feststellt, welche Hilfen der an Demenz leidende Mensch benötigt, um möglichst lange in den eigenen vier Wänden selbstständig leben zu können. Wichtig für die Angehörige sind regelmäßige Treffen, bei denen sie sich mit den Angehörigen anderer Kranker austauschen können.

Denn auch sie geraten in die Isolation, da sie nicht mehr ruhigen Gewissens weggehen können, etwa um Sport zu treiben oder einzukaufen. Es geht bei den Treffen in erster Linie darum, Erfahrungen auszutauschen, wie Alltagssituationen gemeistert werden.

Selbstbestimmtes Leben als Ziel

Bei dem Treffen formulierten die Anwesenden, darunter Rimbachs Bürgermeister Holger Schmitt, ihren Wunsch, wie das Netzwerk bis zum Jahr 2020 aussehen soll: Es klärt in Schulen und Vereinen über die Krankheit Demenz auf; es holt Erkrankte und Angehörige aus der Isolation; die Kollegen vom Sportverein holen den Kranken ab und nehmen ihn mit zum Training; alleinlebenden Demenzkranken wird so lange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben in ihren eigenen vier Wänden ermöglicht.

Heike Ellen Weizel von der Seniorenberatung der Diakonie in Rimbach hatte bei ihrer Arbeit festgestellt, dass so ein Netzwerk im Weschnitztal fehlt. Es gibt zwar Angebote, beispielsweise die Atempause, aber viele pflegende Angehörige kennen diese entweder nicht oder es fällt ihnen schwer, den an Demenz erkrankten Angehörigen davon zu überzeugen, einmal pro Woche dorthin zu gehen.

Vorbild Bensheim

Weizel träumt von einem Netzwerk, wie es in Bensheim existiert. Dort gibt es eine Broschüre, den "Demenzwegweiser Bensheim", der von einer örtlichen Bürgerstiftung finanziert wurde. Auf 47 Seiten sind alle Hilfs- und Beratungsangebote für Angehörigen und Betroffene zusammengefasst. Es ist kein trockener Lesestoff: Mit kleinen Geschichten aus dem Alltag von Demenzkranken wird beschrieben, wie Fachkräfte aus Bensheim ihnen geholfen haben, bis zum Lebensende im eignen Zuhause zu leben.

Heike Ellen Weizel und ihre Mitstreiter haben nun drei Jahre Zeit, um das Netzwerk Demenz und Prävention Weschnitztal aufzubauen. Finanziert wird das Projekt vom Diakonischen Werk. Fachleute sollen zu Vorträgen eingeladen werden. Dabei erfahren Angehörige unter anderem, ob sie eine stundenweise Entastung finanziert wird oder aus eigenen Mitteln bezahlt werden muss.

Andernorts haben sich schon vor langer Zeit Vereine gegründet. In Vlotho hilft der Verein Zeitspende Angehörigen, entlastet sie durch Ehrenamtliche, vorzugsweise aus der Nachbarschaft. Es ist Nachbarschaftshilfe auf Gegenseitigkeit sowie sie früher in den Dörfern üblich war. gg

Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel