Lindenfels

Freundeskreis Eine Welt Die Corona-Pandemie trifft in Indien die arme Bevölkerung am härtesten

Menschen in den Slums leiden doppelt

Archivartikel

Mörlenbach.Große Sorge beim Freundeskreis „Eine Welt“ in Mörlenbach: In den zurückliegenden Tagen gingen beim Vorstand des Vereins immer mehr beunruhigende Nachrichten über die aktuellen Auswirkungen der Corona-Pandemie in Südindien ein. „Es waren erschreckende und schockierende Details, die dabei von den indischen Projektpartnern geschildert wurden“, berichtete Iris Dörsam-Winter vom Freundeskreis.

Am 24. März hatte die indische Regierung eine Ausgangssperre für insgesamt 1,3 Milliarden Menschen verhängt. Mit dieser drastischen Maßnahme soll durch soziale Distanz eine Explosion der Ansteckung mit Covid-19 verhindert werden. Die Menschen haben aber durch die Ausgangssperre keinerlei Möglichkeit, zu arbeiten und erhalten keinen Lohn.

Iris Dörsam-Winter weiß: „Gerade die Ärmsten unter ihnen wie zum Beispiel Tagelöhner, Kulis und Straßenhändler, kämpfen ums Überleben. Sie trifft es am meisten. Ohne Arbeit kein Lohn und keine Nahrungsmittel.“

Zu Corona kommt der Hunger

Die Menschen in den Slums sind durch die dichte Besiedelung besonders betroffen und durch mangelnden Zugang zu hygienischen Maßnahmen und medizinischer Versorgung der Ansteckung in hohem Maß ausgeliefert. Iris Dörsam-Winter: „Zu all diesen Risiken kommt noch der Hunger. Ein dramatischer Wettlauf mit der Zeit beginnt.“ Die indische Regierung und die Regierungen der Bundesstaaten haben Hilfsprogramme versprochen. „Doch wie so oft, erreichen sie die Bedürftigen gar nicht oder sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, so die engagierte Mörlenbacherin.

Der Großteil der Projektpartner des Freundeskreises „Eine Welt“ im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu versuche, trotz Ausgangssperre und unter größten Risiken für die eigene Gesundheit diese Menschen in ihrer Not mit Lebensmitteln und Geldern zu versorgen, damit sie überleben können. Iris Dörsam-Winter: „Doch auch die Mittel der Projektpartner sind erschöpft. Sie brauchen dringend unsere finanzielle Unterstützung.“

Um schnell reagieren zu können, werden zurzeit vom Freundeskreis Mittel, die eigentlich für die Projektarbeit eingeplant waren, zur Beschaffung von Nothilfepaketen für die bedürftigen Familien verwendet. Dieses Geld muss aber wieder den Projekten zufließen.

Iris Dörsam-Winter zeichnet ein düsteres Bild der Lage. Der Projektpartner C. Sathiaseelan in Arni habe auf Anordnung der Regierung, sozusagen über Nacht, alle 30 Kinder aus dem Kinderheim Vasantham – vorwiegend Halbwaisen – zu ihren noch lebenden Eltern nach Hause schicken müssen. Die Elternteile sind allesamt Tagelöhner und derzeit ohne jegliches Einkommen und ohne Nahrungsmittel. „Unser Projektpartner organisiert für alle Familien der Kinder aus dem Kinderzentrum Notpakete beziehungsweise Geldzuwendungen, um die Ernährungsversorgung sicherzustellen“, verspricht sie.

Auch Projektpartner Pfarrer Roy in der Diözese Vellore hat mit der Hilfe für ärmste Familien in seiner Gemeinde begonnen. Reis, Linsen und andere wichtige Grundnahrungsmittel werden verteilt. Iris Dörsam-Winter: „Er benötigt dringend weitere Geldmittel, um die Hilfe ausweiten zu können.“

Mahlzeiten für Obdachlose

Bruder Innasimuthu, der das Kinder-Lernzentrum Shield in den Slums von Chennai betreut, habe per Regierungsbeschluss das Nachhilfezentrum schließen und die Kinder in die maroden Unterkünfte in den Elendsvierteln zurückschicken müssen. Die mittellosen Familien der Shield-Kinder in den Elendsvierteln werden durch die Mitarbeiter des Lernzentrums mit Grundnahrungsmitteln und Hygieneartikeln versorgt.

Schwester Rani in Trichy kümmert sich mit ihren Ordensschwestern um Obdachlose und um die Menschen, die auf der Straße unterwegs zurück zu ihren Familien sind. Sie versorgt sie mit Mahlzeiten.

Der Freundeskreis „Eine Welt“ möchte in dieser katastrophalen Situation seine indischen Freunde nicht alleine lassen. „Dafür brauchen wir aber schnelle und wirksame Hilfe aus der lokalen Bevölkerung“, fordert Iris Dörsam-Winter zum Spenden auf.

Ihr und den übrigen Verantwortlichen des Vereins ist bewusst, dass die Situation in Deutschland momentan ebenfalls schwierig ist. Viele sind von finanziellen Einbußen betroffen und müssen um ihre Existenz fürchten. „Trotz all dieser gravierenden Sorgen können wir hier aber auf ein funktionierendes Gesundheitssystem und eine soziale Absicherung bauen. Von diesem Sicherheitsnetz ist die indische arme Bevölkerung, für die hygienische Maßnahmen und medizinische Versorgung oft unerreichbar sind, unermesslich weit entfernt“, so Iris Dörsam-Winter.

Die Menschen seien doppelt gefährdet: Der Coronavirus und Hunger bedrohten ihr Leben. „Diese Ärmsten der Armen brauchen dringend unsere Hilfe“, sagt Dörsam-Winter. Wer helfen möchte, kann unter dem Stichwort „Corona-Nothilfe“ spenden. red

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