Lindenfels

Katholische Kirche In St. Petrus und Paulus gaben Egbert Lewark und Richard Reichel ein Benefizkonzert an Orgel und Trompete

Musikalische Reise ins Zeitalter des Barock

Archivartikel

Lindenfels.Das Orgelkonzert mit Trompete in der katholischen Kirche St. Petrus und Paulus in Lindenfels lockte trotz Sturm viele Musikliebhaber an. Für den Organisten Richard Reichel war es ein Heimspiel: Er kennt das Instrument von früheren Orgelkonzerten in der katholischen Kirche in Lindenfels. Diesmal musizierte er gemeinsam mit dem Trompeter Egbert Lewark. Dieser ist 2009 Dirigent des Sinfonischen Blasorchesters der Städtischen Musikschule Frankenthal.

Auftakt mit Händel

Die beiden Musiker spielten Werke von bekannten und nicht so bekannten Kirchenkomponisten der Barockmusik. Die Orgel übernahm den Part des Orchesters und begleitete die Soli der Trompete. Zu Beginn spielten sie die Suite in D-Dur von Georg Friedrich Händel. Dessen Werke kennen alle Liebhaber klassischer Musik. Es folgten Choralbearbeitungen für die Orgel von Christian Heinrich Rink, Karl Gottlieb Umbreit, Ludwig Ernst Gebhardi und Michael Gotthard Fischer. In der Barockzeit (etwa 1575 bis 1770) musste ein Organist bei seiner Abschlussprüfung Choräle spielen. Allerdings nicht nach festen Noten, sondern improvisieren.

Reichel und Lewark nahmen die Zuhörer mit auf die Reise durch die Gemeindelieder. Manch ein Besucher summte leise den Text mit. Eindrucksvoll klang die Sonata in C-Dur für Trompete und Orgel von Tommaso Albinoni. Der italienische Komponist und Violinist lebte und arbeite von 1671 bis 1751 in Venedig. Sein eigentliches Genre waren Opern und Trance, also beruhigende Kompositionen, die in den vergangenen Jahren von Orchestern wiederentdeckt wurden.

Vor dem zweiten Teil erklärte Reichel dem Publikum die Auswahl, der nun folgenden Komponisten. Wer im Internet das Wort „Komponisten“ sucht, stellt oft fest, dass hinter Namen wie Jean-Baptiste Sanssouci, Franz Xaver Anton Ohnesorg oder Juan Carlos de San Sorgos der Name Joachim Schreiber steht. Dieser hat die Notensammlung mit dem Titel „Musicalischer Lustgarthen“ von Johann Friedrich Ohnesorg (1725 bis 1803) herausgegeben. Er schreibt: „Johann Friedrich Ohnesorg sowie alle weiteren genannten Komponisten sind frei erfundene Personen. Bei den Stücken handelt es sich um Stilkopien auf die Manier verschiedener Epochen. Die Stücke sollen eine bestimmte Musik für einen bestimmten Orgeltyp darstellen, die so leider nie komponiert wurden.“

Lieder unbekannter Künstler

Mit der Choralbearbeitung „Wacht auf, ruft uns die Stimme“ von Johann Ludwig Krebs spielten die Musiker sie ein Stück eines eher unbekannten Schüler von Johann Sebastian Bach. Krebs war Organist am Hofe Friedrich III. in Altenburg. Diese Stelle hatte er bis zu seinem Tod am Neujahrstag 1780 inne. Die Altenburger Bürger schrieben über ihn: „Wir haben 23 Jahre lang das Vergnügen genossen, ihn zu hören. Noch als Greis war er Jüngling in der Begeisterung, wenn er vor der Orgel saß.“ Viele seiner Bearbeitungen wurden später seinem Lehrer Johann Sebastian Bach zu geschrieben.

Organist Reichel und der Trompeter Lewark spielten noch das Allegro von Johann Gottfried Vierling zu dem Choral: „Nun lob, mein Seel, den Herren.“ Die Zuhörer hörten auch bei ihm die Lehrer aus der Komponistenfamilie Bach.

Erlös für die Orgel

Mit einem kleinen Stück von Johann Friedrich Schmoll kam auch ein Organist aus der Pfalz zum Zug. Nach seiner Stelle am Hof des Wild- und Rheingrafen Carl Magnus von Rheingrafenstein in Gaugrehweiler wurde er 1771 Organist in der Schlosskirche in Kirchheimbolanden wurde.

Mit „Andante e-moll“ von Joseph-Hector Fiocco ging die Barockreise in die habsburgische Niederlande und zum Schluss mit dem Violinisten Giuseppe Torelli nach Italien.

Mit einem Weinpräsent dankte die katholische Kirchengemeinde den beiden Musikern für das Benefizkonzert, das dem Erhalt der Orgel zugute kommt. Ein Dank ging auch an Helga Wattendorf. Sie hat in zehn Jahren rund 20 Konzerte in der katholischen Kirche organisiert. gg

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