Lindenfels

Historie Hans-Günther Morr fasst Forschungsergebnisse zur Geschichte einer fast vergessenen Einrichtung in Grasellenbach zusammen

Neues Buch zur Segelflugschule

Grasellenbach.Ein Stück fast vergessene Heimatgeschichte aus dem Überwald gibt es jetzt Schwarz auf Weiß zu erwerben. Der Wald-Michelbacher Heimatforscher Hans-Günther Morr hat in jahrelanger Kleinarbeit Details zur Segelflugschule in Grasellenbach zwischen 1938 und 1945 zusammengetragen. Mit Unterstützung der Gemeinde, wo er mit Bürgermeister Markus Röth einen Unterstützer fand, wurden die Ergebnisse nun zu einer 43-seitigen Broschüre gebunden.

„Selbst ältere Mitbürger können sich nur noch dunkel erinnern, dass einmal im oberen Ulfenbachtal ein reger Segelflugbetrieb herrschte“, schreibt Morr im Vorwort. Es war ihm ein Anliegen, dieses Kapital Heimatgeschichte aufzuarbeiten, bevor es in Vergessenheit gerät. Unterlagen waren so gut wie keine zu finden.

Die früheren Flugschüler leben allesamt nicht mehr. „Leider hatte ich nicht die Zeit, mich selbst damit zu beschäftigen“, sagte der lokalgeschichtlich interessierte Bürgermeister bei der Vorstellung des Büchleins. Die Flugschule, so Röth, hatte ihren Hangar auf dem Areal des späteren Sägewerks Monnheimer, das es dort ab 1955 gab und für dessen Zwecke die Halle umgewidmet wurde. Sie brannte 2015 ab.

25 Jahre Recherche

Die ersten Nachforschungen stellte Morr vor weit mehr als 25 Jahren an. Vor eineinhalb Jahren kam Morr dann auf Röth zu, um das Ergebnis der Nachforschungen zu veröffentlichen. Dem Bürgermeister war der Spagat bewusst, Ereignisse aus den Jahren 1938 bis 1945 aufzuarbeiten, ohne dabei der damaligen Willkürherrschaft Raum zu geben. Denn eine Segelflugschule diente „ohne Zweifel militärischen Zwecken“. Weshalb beide auch im Buch die „Distanzierung von der NS-Ideologie“ hervorheben. „Wir wollten aber unabhängig vom Zeitraum die Historie beleuchten“, betonte Röth. Es war ihm wichtig, diesen Aspekt aus vergangenen Tagen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Morr hat auch noch einen persönlichen Bezug zu den Segelfliegern im Norden des Überwalds. 1943/44 fuhr er als Junge mit der Bahn von Wald-Michelbach nach Wahlen und lief zu Fuß nach Gras-Ellenbach, um dort die Flugaktivitäten anzuschauen. „Ich wollte später auch irgendwann mal bei denen mitmachen“, erinnert er sich.

Mit dem Kriegsende ging die Geschichte der Flugschule schnell und unrühmlich zu Ende. Sie wurde aufgegeben und von der Bevölkerung ausgeschlachtet. In späteren Jahren ging Morr in diesem Bereich oft spazieren, traf dabei irgendwann den früheren Wassermeister der Gemeinde, Fritz Kessler. Man saß auf der Bank, tauschte sich aus, und dann förderte Kessler ein Bild zutage, das jetzt auf der Titelseite des Büchleins zu finden ist: einen Segelgleiter beim Flug über die Landesstraße 3105 im Herbst 1942. Von Kessler bekam der Autor auch den Tipp, Käthe Wilberg, geborene Bauer, anzusprechen, die damals „für die Buwe kochte“.

Morr rief auf dem Rathaus an, bekam den Tipp, dass die Betreffende inzwischen in Hammelbach verheiratet war, ließ sich auch vom abweisenden Ehemann an der Haustür nicht abhalten, lief ums Haus herum und traf dort – es muss Anfang der 90er-Jahre gewesen sein – auf Wilberg. Deren Enkelin war es nun, die die Broschüre druckte. „Sie hatte ein Album mit alten Bildern, die ich verwenden durfte“, freut sich Morr im Rückblick. Mit dem Wissen einiger anderer Zeitzeugen entstand das Büchlein. Viel Zeit verbrachte Morr auch mit Heinz Monnheimer, der einige Aufnahmen beisteuerte.

Das Büchlein „Segelflugschule in Gras-Ellenbach“, ist erhältlich auf den Rathäusern von Hammelbach und Wald-Michelbach sowie in der Kurverwaltung Gras-Ellenbach. tom

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