Lindenfels

Martin-Luther-Schule Namibierin mit deutschem Migrationshintergrund berichtet aus ihrem Leben

Spuren der Kolonialzeit weiter spürbar

Archivartikel

Rimbach.Naita Hishoono, Direktorin des Namibia Institute for Democracy, kam auf Einladung von Brigitte Rosenberger, ehemalige Lehrerin an der Martin-Luther-Schule, und von Achim Berndt, aktuell Referendar an der MLS, als Gast nach Rimbach. Sie berichtete den Schülern im Rahmen des Projektes „Namibia und die kolonialen Nachwirkungen von Deutsch-Südwestafrika“ von den gegenwärtigen Konflikten in Namibia, von denen viele auf die deutsche Kolonialzeit und die darauf folgende südafrikanische Apartheidspolitik zurückzuführen seien.

Anhand von Fotos wurden die Schüler konfrontiert mit den Spuren der deutschen Kolonisierung, die zwischen 1885 und 1915 stattgefunden hat. Sie sind sichtbar in Form von immer noch etlichen deutschen Straßen- und Ortsnamen und in Form von typisch deutschen Gebäuden wie der Christuskirche.

Für Außenstehende und Touristen scheinte das Land politisch stabil zu sein, aber hinter dieser Fassade rumore es. Das Land leide aber unter einer extrem ungleichen Verteilung des Reichtums, auch weil seit der Unabhängigkeit das Problem der Landreform nicht angegangen wurde. 70 Prozent des fruchtbaren Bodens seien weiter im Besitz von weißen Siedlern, die nur 6,6 Prozent der Bevölkerung ausmachen.

Internat in der DDR

Die Schüler erfuhren, dass das Unrecht, das den Volksstämmen Herero und Nama mit dem Genozid und der Enteignung des Bodens und allen materiellen Besitzes angetan wurde, nie aufgearbeitet und kein Konzept der Landrückgabe entwickelt wurde. Diese Ereignisse der jüngeren Vergangenheit beeinflussten auch Naitas Lebenslauf ganz entscheidend. Sie wurde 1976 in einem Flüchtlingslager in Angola geboren, in dem Namibier und Kämpfer Schutz suchten. Nach einem Angriff der südafrikanischen Armee auf das Lager, bei dem viele Zivilisten umkamen, nahm die DDR von 1979 bis 1988 insgesamt 470 Kinder aus diesen Lagern auf, darunter auch die damals dreijährige Naita.

Die Kinder wurden in der DDR in einem Internat untergebracht, besuchten reguläre Schulen, wurden deutsch und sozialistisch erzogen, sollten auf die Mitarbeit beim Aufbau eines unabhängigen Namibia vorbereitet werden. 1990 musste zusammen mit fast allen anderen namibischen Kindern die DDR verlassen und nach Namibia, ein für sie fremdes Land, zurückkehren.

Die Ankunft und die ersten Wochen beschreibt Naita als Kulturschock, denn das Haus ihrer Eltern hatte keine Dusche mit fließendem Wasser die Speisen waren ihr fremd, die Sprache beherrschte sie nicht richtig – eigentlich wollte sie nur noch zurück in das Land, das ihr zur Heimat geworden war.

Aber dieses Land wies sie ab. Nach einer Ausbildung im Hotelmanagement in Salzburg ging sie nach Berlin, um dort zu studieren, und beantragte eine Aufenthaltsgenehmigung. Aber obwohl sie eigentlich alle Kriterien erfüllte – sie konnte mehrjährigen Schulbesuch in Deutschland nachweisen und hatte lange in dem Land gelebt – und trotz Studienplatz, Wohnung und Arbeit erhielt sie nach 18 Monaten die Aufforderung, Deutschland zu verlassen, weil sie die angeführte Zeit nicht in der BRD, sondern in der DDR verbracht hatte. Sie war enttäuscht und flüchtete für drei Monate nach Großbritannien, bevor sie nach Namibia zurückflog, dort Politik studierte und heute Direktorin des Instituts für Demokratie ist. red

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