Lindenfels

Tourismus An der Lindenfelser Burg wurde der Grundstein für ein Fachwerkhaus gelegt, der als Anlaufstelle für Wanderer dienen soll

Startschuss für den Bau des Infopunkts

Archivartikel

Lindenfels.Sollten Archäologen in den kommenden Jahrhunderten im geschichtsträchtigen Boden an der Lindenfelser Burg wieder einmal nach Relikten aus der Vergangenheit wühlen, dürften sie nicht nur auf Mauerreste aus dem Mittelalter stoßen. Vielleicht finden sie auch den metallenen Behälter, in dem sich eine Ausgabe des Bergsträßer Anzeigers und eine Urkunde befinden, die von der Grundsteinlegung für den Infopunkt an der Burg zeugt, unterschrieben von Vertretern der Stadt, des Kreises Bergstraße, des Geoparks Bergstraße-Odenwald und des zuständigen Architekturbüros. Das Befüllen dieser Zeitkapsel war der Startschuss für das Projekt. Untermalt wurde er von den Klängen eines Dudelsacks, den Jürgen Ross bediente, der sich auf den Bau dieser Instrumente spezialisiert hat. Das Gefäß soll einmal unter einem Fachwerkhaus mit zwei kubusförmigen Anbauten schlummern, das als Anlaufpunkt für Touristen dienen soll, die auf ihren Ausflügen durch den Odenwald den Wehrbau über Lindenfels besichtigen.

Förderung mit EU-Mitteln

„Angefangen hat alles als Bürgerprojekt“, rief Bürgermeister Michael Helbig bei seinen Grußworten in Erinnerung. Der Lindenfelser Manfred Riebel hatte die Balken eines alten Fachwerkhauses in der Freiherr-vom-Stein-Straße eingelagert und schon länger die Idee eines solchen Hauses im Bereich der Vorburg mit sich herumgetragen. Nun wird sie verwirklicht, mit eben diesen Balken, die Riebel restauriert und katalogisiert hat. „Jetzt ist es allerdings ein Projekt der Europäischen Union (EU). Und es wird auch etwas teurer, als anfangs gedacht“, führte Helbig aus.

Insgesamt soll das zweistöckige Gebäude 434 000 Euro kosten. 200 000 Euro übernimmt die EU im Rahmen des Förderprogramms LEADER+ aus Steuergeldern, den Rest die Stadt. Es soll Platz sein für ein Imbissgeschäft, einen Gastraum und eine Ausstellung, bei der Geschichte der Burg und die Nibelungensage im Vordergrund stehen sollen.

Auch als Stützpunkt für Geopark-Ranger könnte das Fachwerkhaus dienen. „Es wäre eines von 22 Infozentren in unserem Bereich“, sagte Jutta Weber vom Geopark-Naturpark Bergstraße Odenwald. Die Region rege besonders Freunde von Romanen wie „Herr der Ringe“ oder „Das Lied von Eis und Feuer“ an und biete auch selbst „tolle Geschichten über die Zeit der Nibelungen und der Karolinger, sagte Landrat Christian Engelhardt. Als Helbig ihm vor einigen Jahren von dem Projekt berichtet habe, sei er sofort begeistert gewesen. Es sei richtig und mutig, trotz der nach wie vor angespannten Finanzlage der Stadt in den Tourismus zu investieren.

Völlig unumstritten ist das Projekt allerdings nicht. Besonders die LWG/CDU-Fraktion im Stadtparlament hätte das Geld lieber anderswo eingeplant gesehen. Es fehle noch an einem Konzept, lautet die Kritik.

Ausgrabungen vor dem Baubeginn

Nichtsdestotrotz gehen nun die Betonarbeiten am mittleren Bau los, auf den das Fachwerkhaus aufgesetzt werden soll. Bei einer Prognose, wie lange die Bauarbeiten dauern könnten, hält sich Architekt Matthias Binder zurück. „Die Ausschreibungen laufen noch“, sagte er. Für die Zimmerarbeiten sei der Lindenfelser Betrieb Höbel Holzbau gewonnen worden.

Der offizielle Baubeginn war bereits am 21. August vergangenen Jahres. Allerdings wurde erst einmal nichts gebaut. Eine Auflage des Hessischen Landesamts für Denkmalpflege war, dass in dem Bereich, an dem das Haus entstehen soll, Grabungen stattfinden müssen, um sicherzustellen, dass keine Zeugnisse aus der Vergangenheit vernichtet werden. Die Archäologin Pia Rudolf fand dabei Mauerreste, die wahrscheinlich zu Bebauungen gehörten, die in verschiedenen Perioden zwischen dem 13. und dem 16. Jahrhundert genutzt wurden, dazu eine Feuerstelle und viele Scherben und Tierknochen. Es dauerte allerdings noch, bis das Denkmalschutzamt die Funde dokumentiert und die Baustelle freigab. Die Mauerreste sollen nun versiegelt werden – und auf diese Weise erhalten bleiben. Ließe man sie an der Luft, würden sie verfallen.

In jedem Fall hätten es die Nachfolger Rudolfs in einigen Jahrhunderten leichter, sagte Helbig – dank der Zeitkapsel.

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