Lindenfels

Betreuung Beate Wörle und Jacqueline Hannecke kümmern sich um Kinder unter drei Jahren / Außerhalb der Kitas ist ihr Angebot in Lindenfels das einzige dieser Art

Tagesmütter als Alternative zu den Krippen

Lindenfels.Der Bedarf ist hoch: Die Tagesmütter in Lindenfels und Winterkasten sind ein wichtiger Teil der lokalen Kinderbetreuung. Bei lediglich zwei Kindergärten in Trägerschaft der Evangelischen Kirche hält sich das U3-Angebot in Grenzen. Jacqueline Hannecke und Beate Wörle sind davon abgesehen derzeit die beiden einzigen in Lindenfels, die sich um Kleinkinder unter drei Jahren kümmern.

Die familienähnliche Betreuungsform entspreche besonders den Bedürfnissen von Babys und Kleinkindern, so Jacqueline Hannecke. Die 35-Jährige ist gelernte Medizinische Fachangestellte, hat einen Sohn und 2016 die Qualifikation zur Tagespflegeperson bei der Caritas in Heppenheim absolviert. Als qualifizierte und vom Jugendamt anerkannte Tagesmutter betreut sie in Winterkasten Kinder von null bis drei Jahren. Sie betont die flexiblen Arbeitszeiten für Tagesmütter, die attraktive Bedingungen im häuslichen Umfeld bieten.

Zudem könnten Tagesmütter als feste Bezugspersonen eine intensive Betreuung bieten, die in anderen Einrichtungen nicht immer gegeben sei, so Jacqueline Hannecke im Rahmen eines Besuchs von Bürgermeister Michael Helbig und Stadtverordnetenvorsteher Stefan Ringer.

Anlass der Visite war nicht nur eine Sachspende der Stadt Lindenfels, sondern auch die politische Wertschätzung dieses sozial wichtigen Angebots. „Ohne Tagesmütter wäre der Bedarf im Stadtgebiet kaum abzudecken“, so der Rathauschef.

Beate Wörle hat ihre Ausbildung in diesem Jahr abgeschlossen und bietet seit Anfang April in Lindenfels eine U3-Bereuung an. Auch sie berichtet von zahlreichen Anfragen seit der ersten Stunde. Die zweifache Mutter von erwachsenen Kindern hatte zuvor im integrativen Supermarkt gearbeitet und sieht in der Kinderbetreuung eine flexible und sinnvolle Tätigkeit. „Es macht Spaß, ist abwechslungsreich und ermöglicht eine individuelle Förderung jedes einzelnen Kindes.“

Hohe Anforderungen

Zwischen 30 und 40 Betreuungsstunden kommen in der Woche zusammen. Für 25 bis 30 Stunden müssen Eltern mit etwa 250 Euro rechnen. Das ist meistens etwas kostengünstiger als in einer Krippe. Der Beitrag geht ans Jugendamt, an das auch der Antrag gestellt wird, und wird von dort an die Tagesmutter weiter geleitet.

Die Betreuungszeiten in der Kindertagespflege gehen in der Regel von sieben bis 15 Uhr. Viele Kinder werden bereits vorher wieder abgeholt. Um diesen Service anbieten zu können, müssen Tagesmütter (Tagesväter sind selten) ebenso wie alle Familienmitglieder, die in dem betreffenden Haushalt leben, ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen und dem Kreisjugendamt nachweisen, dass die Wohnung bestimmten Vorgaben entspricht. Wer den Job machen will, muss sich fachlich, gesundheitlich und persönlich eignen. Die Ausbildung sollte nicht unterschätzt werden, betonen beide Kolleginnen. Der Nachweis für die Teilnahme an einem Kurs „Erste Hilfe bei Säuglingen und Kleinkindern“ ist Pflicht. Auch eine Abschlussarbeit, regelmäßige Fortbildungen und eine Hospitanz bei einer anderen Tagesmutter sind Standard.

Die Erlaubnis zur Kindertagespflege ist immer auf fünf Jahre befristet. Danach muss man einen Antrag auf Verlängerung stellen, erläutert Jacqueline Hannecke, die von einem hohen Maß an Zuwendung spricht. „Durch kleine Gruppen mit maximal fünf Kindern können wir eine besondere Form der Betreuung bieten.“ Einen qualitativen Unterschied zur Kita gebe es nicht.

Lücke wird geschlossen

Gemeinsam frühstücken, spazieren gehen, miteinander spielen: Für Jacqueline Hannecke und Beate Wörle ist die Kinderbetreuung ideal. Beide favorisieren einen geregelten Tagesablauf, der den Kindern Geborgenheit und Vertrauen vermittelt. Trotz des strukturierten Tagesprogramms bleibe genügend Raum für spontane Aktivitäten und Ruhezeiten. Jedes Kind bekomme die Eingewöhnungszeit, die es benötigt. Die Zeit, in der es alleine bleibt, wird von Tag zu Tag gesteigert.

Auch in Lindenfels: Tagesmütter füllen die Kita-Lücke und kümmern sich um die Kleinen, wenn Mama und Papa arbeiten müssen. Gerade in Regionen mit einem überschaubaren Betreuungsangebot sind sie eine notwendige Alternative, um den Bedarf decken zu können. „Momentan gibt es nur uns beide“, sagt Beate Wörle mit einem Baby auf dem Arm. Sie geht davon aus, dass dieses Angebot noch nicht so bekannt ist, wie es sein müsste. Auch die hohe Qualifikation der Tagesmütter sei nicht jedem bewusst. Die Betreuerinnen hoffen, dass sich das ändert.

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